Ambulantisierung stationärer Operationen: Wie Kostendruck zu Innovation führt

in Healthcare, 14.06.2018

In der Schweiz ist der Anteil an stationären Operationen vergleichsweise hoch. Mit dem Entscheid des Bundes eine Reihe von Eingriffen ab 2019 nur noch ambulant durchzuführen, wird der Kostendruck auf die Spitäler zunehmen. Neue innovative Geschäftsmodelle sind gefragt.

Der Spitalverband H+ schlug vor wenigen Wochen schon beinahe Alarmtöne an: Spitäler und Kliniken in der Schweiz würden jährlich wiederkehrende Verluste in der Höhe von rund 900 Millionen Franken schreiben. Denn die in den letzten Jahren zahlreichen eröffneten Ambulatorien sind sehr häufig ein Verlustgeschäft. Für ambulante Eingriffe sind die Tarife deutlich tiefer, was sich dementsprechend in den Erträgen niederschlägt. Deshalb sind neue Geschäftsmodelle gefragt. Modelle, mit denen es gelingt, selbst bei tieferen Erträgen einen positiven Deckungsbeitrag zu erwirtschaften.

Stationär zu Ambulant

KPMG hat deshalb fünf Geschäftsmodelle entwickelt, mit denen Spitäler und Kliniken neue Patienten für ihre Ambulatorien gewinnen und diese rentabler betreiben können:

Einkauf: Ein Spital verzichtet auf ein eigenes Ambulatorium und weist alle ambulanten Fälle einem externen Anbieter zu. Im Gegenzug erhält es, soweit möglich, vom externen Partner alle stationären Fälle zugewiesen.

Konzentration: Zwei Spitäler kooperieren im ambulanten Bereich. Sie decken aber jeweils ein komplementäres Spektrum ab und weisen sich gegenseitig die ambulant zu versorgenden Patienten zu.

Kooperation: Mehrere Spitäler errichten und betreiben ein gemeinsames ambulantes Zentrum. Sie lagern alle ambulanten Fälle dorthin aus.

Lines of Business: Das Spital betreibt sowohl den stationären wie auch den ambulanten Bereich unter einem Dach. Die medizinischen Fachgebiete werden aber neu durchgängig in zwei Geschäftsprozesse getrennt.

Splitting: Das Spital betreibt neben dem stationären Bereich ein räumlich konsequent getrenntes Angebot für die ambulanten Fälle.

Wie dargelegt, eignen sich die fünf Geschäftsmodelle in unterschiedlicher Art und Weise für ein Spital. Die Grösse des Spitals bzw. die Anzahl stationärer/ambulanter Fälle ist hierbei der zentrale Bestimmungsfaktor. Hinzu kommen die regionalen/lokalen Marktgegebenheiten.

 

Die verschiedenen Modelle wurden auch am KPMG Healthcare Anlass (6. Juni 2018) vorgestellt und in einer Podiumsdiskussion vertieft. Die mehr als 100 Teilnehmenden waren sich dabei einig: „Der Konzentrationsprozess steht erst am Anfang.“

Somit ist auch nicht erstaunlich, dass der Tenor der CEO und CFO aus Kliniken und Spitälern zum Schluss lautete: „Es erwarten uns anspruchsvolle Zeiten, die von allen Beteiligten hohe Flexibilität und die Bereitschaft verlangen, Altgewohntes über Bord zu werfen.“

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen ist letztlich jedes Spital gefordert das für sie passende Geschäftsmodell zu erarbeiten und umzusetzen.

 

 

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