Audit Committee in der Pflicht

in Audit, 27.11.2014

An der ersten Schweizerischen Wirtschaftsprüfertagung der TREUHAND-KAMMER hat der Präsident des europäischen Berufsverbandes der Wirtschaftsprüfer, André Kilesse, über die Auswirkungen der EU-Abschlussprüferreform informiert. Bei Unternehmen von öffentlichem Interesse, zu denen u.a. kotierte Gesellschaften und Banken zählen, muss das Mandat der Revisionsstelle mindestens nach 10 Jahren öffentlich ausgeschrieben werden. Die gleiche Revisionsstelle kann dann noch einmal für 10 Jahre gewählt werden. Danach muss eine andere Gesellschaft als Revisionsstelle eingesetzt werden. Auch die zulässigen Nicht-Prüfungsdienstleistungen, welche die Revisionsstelle an Unternehmen von öffentlichem Interesse erbringen kann, ist eingeschränkt worden. Betroffen davon sind vor allem Steuer- und Bewertungsdienstleistungen. Die EU-Mitgliedsstaaten können sowohl die Rotationsfrist für die Revisionsstelle als auch die Bestimmungen zu den Beratungsdienstleistungen verschärfen. Wenn sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden, resultiert ein Flickteppich von nationalen Regelungen. Ob diese geeignet sind, die von der EU-Kommission beabsichtigte Erhöhung der Qualität der Wirtschaftsprüfung zu erreichen, scheint mehr als fraglich. Schweizerische Publikumsgesellschaften werden aufgrund ihrer internationalen Vernetzung von den neuen europäischen Vorschriften betroffen sein, auch ohne dass Schweizer Gesetze geändert werden. Welches aber die konkreten Auswirkungen sind, ist heute noch offen.

Die Verantwortungen des Prüfungsausschusses

Als Teil der neuen europäischen Vorschriften wird das Audit Committee (Prüfungsausschuss) vermehrt in die Pflicht genommen. Es ist u.a. auch verantwortlich für die Durchführung des Prozesses für die Wieder- resp. Neuwahl der Revisionsstelle. Angesichts der aufgrund der Rotationsvorschriften stark zunehmenden Anzahl an Ausschreibungen von Revisionsstellenmandaten wird eine nicht unerhebliche Zusatzbelastung auf die Audit Committee-Mitglieder zukommen. Eine Panelrunde hat unter der Leitung von Prof. Reto Eberle, Audit Partner KPMG, die Situation von Audit Committee in der Schweiz diskutiert. Die Panelteilnehmer Alt Bundesrätin Ruth Metzler-Arnold, Rechtsanwältin Ines Pöschel, Prof. Peter Forstmoser und Ständerat Konrad Graber thematisierten die Zusammenarbeit von Revisionsstelle und Audit Committee auch vor dem Hintergrund des überarbeiteten Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance von economiesuisse. Das Interesse des Verwaltungsrats an einer qualitativ hochstehenden Prüfung der finanziellen Berichterstattung ist gross. Dazu trägt eine offene und direkte Kommunikation des Revisors mit dem Audit Committee bei. Hier scheint noch ein Verbesserungspotential zu bestehen. Im Grossen und Ganzen funktioniert die Zusammenarbeit von Revisionsstelle und Audit Committee in der Schweiz aber gut, so dass nach Ansicht des Panels in dieser Hinsicht kein Regulierungsbedarf besteht.

Die 5 To Do für Audit Committee-Mitglieder

  1. Seien Sie kritisch und fragen Sie hartnäckig nach, ob/inwiefern… Oder in der US-amerikanischen Version: „Be a pain in the neck“.
  2. Fördern Sie eine Unternehmenskultur, deren weiche Faktoren dazu geeignet sind, Compliance auch ausserhalb des Finanzbereichs zu fördern.
  3. Nehmen Sie eine Beurteilung vor, inwiefern Ihr Unternehmen von den neuen Vorschriften zu den Beratungsdienstleistungen betroffen ist, die der eigene Prüfer noch erbringen darf.
  4. Beurteilen Sie, ob und allenfalls welche Pflichten, die in Europa in Zukunft an das Audit Committee gestellt werden, Ihr Unternehmen übernehmen soll. Zu denken ist an Zustimmung zu Beratungsdienstleistungen oder an den Prozess für die Wieder-/Neuwahl der Revisionsstelle.
  5. Stellen Sie sicher, dass der CFO, die Finanzabteilung und die interne Revision über ausreichende Ressourcen verfügen.

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