Bericht der Revisionsstelle: Abschied vom Standardwortlaut?

in Audit, 09.08.2013

Der Bericht der Revisionsstelle muss laut International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) informativer werden. Das ist das Ergebnis einer mehrjährigen Abklärung des Nutzens externer Bericht­er­stattung durch die Revisionsstelle in der öffentlichen Wahrnehmung. Entsprechende Vorschläge wurden bis zum 22. November 2013 in die Vernehmlassung gegeben. Werden sie umgesetzt, so bedeutet dies die Ver­abschiedung vom Standardwortlaut des Berichts der Revisionsstelle, wie er bislang in den meisten Fällen der Generalversammlung von Publikumsgesellschaften abgegeben wurde.

In der Vernehmlassung bis 22. November 2013

Das IAASB hat kürzlich ein ansehnliches Paket von neuen bzw. revidierten Prüfungsstandards in die Ver­neh­mlassung gegeben, die sich mit der Berichterstattung der Revisionsstelle beschäftigen. Dazu gehören Inter­national Auditing Standards (ISA) 700 Revised (Bericht der Revisionsstelle), 701 (neu: Kommunikation von Schlüssel­erkennt­nissen aus der Prüfung innerhalb der Berichts der Revisionsstelle), 260 Revised (Kommuni­kation mit dem Verwaltungsrat), 570 Revised (Fortführungsfähigkeit), 705 Revised (Abweichender Berichts­wortlaut) und 706 Revised (Hervorhebung eines Sachverhalts und andere mitteilungswürdige Tatbestände).

Worum geht es?

Im Zentrum steht der neue ISA 701, der den Wirtschaftsprüfer einer börsennotierten Gesellschaft dazu ver­pflichten soll, die wesentlichsten Er­kennt­nisse aus der Prüfung („key audit matters“), die er mit dem Audit Committee bzw. dem Verwaltungsrat diskutiert hat, in einem separaten Abschnitt des Testats auch der General­versammlung bzw. der breiten Öffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen. Dabei kann es sich beispielsweise um Unsicher­heiten bezüglich der Werthaltigkeit des Goodwills oder der Höhe von Rückstellungen, aber auch um Betrugsrisiken oder Schwächen im internen Kontrollsystem handeln. In einem weiteren Abschnitt soll der Wirtschaftsprüfer konkret zur Fortführungsannahme („going concern assumption“) des Verwaltungsrats Stellung nehmen. Gleich­zeitig sollen die Pflichten in Bezug auf die Kommunikation mit dem Verwaltungsrat erweitert werden, insbeson­dere um eine Diskussion der wesentlichen Risiken, die der Wirtschaftsprüfer im Rahmen seiner Prüfung identifiziert hat.

Was sind die Folgen?

Mit diesen Vorschlägen wird ein Teil der bislang nur intern geführten Diskussion zwischen Wirtschaftsprüfer und Verwaltungsrat öffentlich. Einerseits bedeutet dies die Verabschiedung vom Standardwortlaut des Berichts der Revisionsstelle, der zwar nicht wirklich interessant ist, aber dem Berichtsempfänger immerhin vermittelt, dass die Revisionsstelle mit der Jahresrechnung insofern einverstanden ist, als sie deren Übereinstimmung mit Gesetz, relevantem Regelwerk und den Statuten bestätigt. In Zukunft wird sich der Berichtsempfänger nach diesen Vorschlägen mit konkreten Informationen zur Abschlussprüfung auseinandersetzen müssen, die das Berichtsurteil begleiten bzw. ergänzen. Die Interpretation der Aussagen der Revi­sions­stelle wird dadurch anspruchsvoller. Andererseits verleiht die externe Kommunikation wesentlicher Er­kenntnisse aus der Prüfung der Revisionsstelle mehr Gewicht und Profil und erlaubt ihr eine direktere Kommu­nikation mit den Eigen­tümern der Gesellschaft, als dies bisher der Fall war.

Wo lauern Gefahren?

Ob die viel zitierte Erwartungslücke („expectation gap“) in Bezug auf den Bericht des Wirtschaftsprüfers da­durch geschlossen wird, ist fraglich. Der Wirtschaftsprüfer ist kein Garant für ein nachhaltiges Geschäftsmodell und die unbefristete Fortführung einer Gesellschaft (letzteres soll immerhin im neuen Bericht der Revisions­stelle explizit erwähnt werden). Auch ist es nicht seine Aufgabe, auf alle bedeutenden Risi­ken einer Geschäfts­tätigkeit hinzuweisen. Geht eine Gesellschaft unerwartet in Konkurs, wird sich dennoch die Frage stellen, ob der Wirtschaftsprüfer in seinem Bericht nicht eindringlicher auf bestimmte Risiken hätte hinweisen müs­sen. Der Wirtschaftsprüfer wird bezüglich „key audit matters“ eine Auswahl der wichtigsten Sachverhalte treffen müssen. Dabei wird er gefordert sein, komplexe Materien mit wenig Worten möglichst umfassend und ver­ständlich darzustellen. Kontrovers ist die Frage, ob dabei allenfalls auch sensitive Themen zur Sprache kom­men könnten, die im Anhang der Jahresrechnung nicht unbedingt offen gelegt sind, was zu schwierigen Dis­kussionen mit der Gesellschaft führen könnte. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass die Grenzen zwischen den Aufgaben der Gesell­schaft bzw. des Verwaltungsrats und der Revisions­stelle durch die parallele Kommuni­kation relevanter Informationen weiter verwischt werden. Bisher war die Rollen­verteilung klar: Der Verwal­tungsrat erstellt und berichtet, die Revisionsstelle prüft und vermittelt eine Schlussfolgerung.

Was verspricht sich das IAASB von einer informativeren externen Berichterstattung?

Das IAASB verspricht sich von diesen Neuerungen positive Auswirkungen auf die Prüfungsqualität wie auch deren öffentliche Wahrnehmung, aber auch positive Impulse auf die Kommunikation zwischen Wirtschafts­prüfer und Audit Committee bzw. Verwaltungsrat. Gleichzeitig wird erwartet, dass Geschäftsleitung und Ver­waltungsrat der Offenlegung wirklich relevanter Informationen im Anhang der Jahresrechnung in Zukunft noch mehr Beachtung schenken werden bzw. die Erstellung des Anhangs nicht mehr nur als reine „Compliance-Übung“ erachten.

Wann könnten die neuen und revidierten Standards in Kraft treten?

Je nach Ausgang der Vernehmlassung könnten diese Neuerungen erstmals in Bezug auf die Prüfung von Jahresabschlüssen per 31. Dezember 2016 zur Anwendung kommen.


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