Risikomanagement – das richtige Mass ist entscheidend

in Industry insights, 20.09.2016

Je höher das Risiko, desto höher der mögliche Gewinn – dieser Grundsatz gilt auch in einer Marktwirtschaft. Die Kunst der Unternehmensführung liegt mithin darin, bei minimalen Risiken maximale Gewinne zu erwirtschaften. Diesen Balanceakt scheinen Unternehmensführer im Ausland besser im Griff zu haben als ihre Schweizer Kollegen, zumindest in der Selbstbeurteilung, wie sie im CEO Outlook von KPMG zum Ausdruck kommt. Über drei Viertel (78%) der CEO im Ausland gehen angemessene Risiken ein, um die gesetzten Wachstumsziele zu erreichen, 17 Prozent wünschten sich eine etwas ausgeprägtere Risikokultur, und nur 4 Prozent haben das Gefühl, sie würden einen zu riskanten Kurs fahren. Demgegenüber beurteilen Schweizer CEO ihr Risikoprofil etwas konservativer. Über die Hälfte (56%) hat das richtige Mass an Risikofreude gefunden, während ein Drittel aller befragten Unternehmensführer in der Schweiz risikofreudiger werden müssen, um das optimale Wachstumspotenzial erzielen zu können. Und einer von zehn CEO geht mit seinem Unternehmen derzeit noch zu hohe Risiken ein.

Breites Risikospektrum – unterschiedlich gewichtet

Sowohl ausländische wie auch Schweizer CEO sehen sich einer breiten Palette an unternehmerischen Risiken ausgesetzt. Da ist die Gewichtung nicht für beide Gruppen deckungsgleich. Für etwa ein Drittel der CEO in der Schweiz sind es vor allem Risiken im Bereich von Drittparteien sowie disruptiven Technologien (je 32%). Weitere Risiken werden in der Wertschöpfungskette gesehen (28%), gefolgt von Umwelt-, Cyber- und geopolitischen Risiken (alle 26%). Im Ausland bewertet man hingegen regulatorische (28%), technologische (26%) sowie strategische (25%) Risiken auf relativ hohem Niveau, wobei Cyber-Risiken deutlich an erster Stelle stehen (30%).

CEO Outlook - Risks

(Grafik anklicken, um die vollständige Liste zu sehen)

Risiken der virtuellen Datenwelt sind schwieriger zu verstehen, zu fassen und zu antizipieren als klassische Währungs- oder operative Risiken. 14 Prozent aller Schweizer CEO – gegenüber nur 5 Prozent der ausländischen CEO – geben an, dass sie nicht genügend auf mögliche Ereignisse im Bereich Cyber-Risk vorbereitet wären. Weniger als die Hälfte der Unternehmensführer in der Schweiz und gar rund ein Viertel der ausländischen CEO sind überzeugt, dass sie bestens auf unvorhersehbare Ereignisse vorbereitet wären (CH: 42%; Global 26%).

Mut zur Innovation

Risikoaversion gepaart mit hoher Affinität zu Prävention sind typisch schweizerische Tugenden. Die Schweizer Wirtschaft ist während vieler Jahrzehnte sehr gut damit gefahren. In einer sich künftig immer schneller verändernden Wirtschaft kann eine zu konservative Risikoeinstellung aber auch bremsend wirken. Fast alle befragten CEO sind überzeugt, dass sich ein optimales Risikomanagement günstig auf die Innovationsfähigkeit ihres Unternehmens auswirkt. Die befragten CEO sind sich dabei bewusst, dass das Risikomanagement oberste Führungsaufgabe ist – in der Schweiz mehr als im Ausland. Entsprechend motiviere ich meine CEO-Kollegen in der Schweiz in Gesprächen dazu, etwas mehr unternehmerische Risiken einzugehen, um weiterhin den Mut zur Innovation und Erneuerung zuzulassen.

Vollständige Studie: CEO Outlook – Now or Never

Über den CEO Outlook

KPMG hat in einer weltweiten, branchenübergreifenden Studie über 1‘300 CEO zu deren mittelfristigen Wachstumsperspektiven und Transaktionsabsichten, zur Innovationsförderung, zum Umgang mit Digitalisierung und Risiken sowie zum Personalmanagement befragt.

In der vorliegenden Artikelreihe gehe ich auf die spezifische Einschätzung dieser Fokusthemen durch die befragten Schweizer CEO ein.

 


Leave a Reply

Your email address will not be published.