Der Rehabilitationsmarkt im Umbruch

in Advisory, Audit, Healthcare, Industry insights, 10.12.2013

Stärkere Spezialisierung

Die Einführung der SwissDRG-Fallkostenpauschale hat auch im Rehabilitationssektor den Kostendruck spürbar vergrössert. Die Ursache liegt in der Verschiebung von Leistungen und Kosten aus dem akutsomatischen Sektor in die Rehabilitation, bedingt durch die verkürzte Aufenthaltsdauer im Spital. Einige Kliniken setzen daher auf eine (noch stärkere) Spezialisierung, um dem steigenden Kostendruck zu begegnen. Sie fokussieren entweder auf wenige oder einen ganz bestimmten Leistungsbereich und Indikationen.

Mehr Kooperationen

Der neue schweizweit gültige Tarif «ST Reha», der 2016/17 eingeführt werden soll, wird den Kostendruck weiter verstärken, da erstens die Tarifstufe von der Fallschwere abhängen und zweitens ein besserer Vergleich der Kliniken untereinander möglich sein wird. Neben der damit einhergehenden, noch stärkeren Spezialisierung der Rehabilitationsangebote zeichnet sich ausserdem eine Entwicklung hin zur wohnortsnahen Rehabilitation – vor allem ambulant, aber auch stationär – ab. Bereits heute lassen sich Kooperationen zwischen Rehabilitationskliniken und Spitälern bezüglich Rehabilitationsangeboten in Zentrumsnähe beobachten, beispielsweise in der Nordschweiz. Damit reagiert man nicht nur auf die immer grösser werdende Nachfrage von Patienten nach wohnortsnaher Reha. Die Kooperationspartner können von einem gemeinsamen und damit effizienteren Übertrittsmanagement der Patienten vom Spital in die Rehabilitationsklinik profitieren und Synergieeffekte nutzen.

Zunehmende Professionalisierung

Der Schweizer Rehabilitationsmarkt ist insgesamt ein sehr heterogenes Feld und die darin agierenden Kliniken unterscheiden sich je nach Bettenanzahl in ihrer Ausrichtung: Während sich viele grössere Kliniken bereits als hochspezialisierte Kompetenzzentren für Rehabilitationsmedizin positionieren konnten, kombinieren kleinere mit einer Anzahl von 50-100 Betten, Reha- mit ausgebauten Hotellerie-Angeboten. Es ist jedoch festzustellen, dass sich der Rehabilitationsmarkt – wesentlich vorangetrieben vom Verband führender Schweizer Rehabilitationskliniken (SW!SS REHA) – zunehmend professionalisiert. Über diese und weitere Markttendenzen habe ich im November bei der Generalversammlung des Verbandes am 14. November referieren dürfen. SW!SS REHA hat bereits hochstehende Qualitätskriterien als Branchenstandards etablieren können, die nicht nur Anforderungen für Infrastruktur und Personal, sondern auch Mindestfallzahlen festlegen.

Definition und Abgrenzung der Leistungsbereiche

Für die weitere Professionalisierung des Marktes sind klare Definitionen und Abgrenzungen der Leistungsbereiche der Rehabilitation wichtig. Dazu hat H+ einen ersten Vorschlag mit DefReha® veröffentlicht. Darin werden Ein- und Austrittskriterien definiert und der Leistungsumfang der einzelnen Bereiche dezidiert beschrieben. Ich denke, dieses Papier dient auch als Grundlage für die Vertrauensärzte der Krankenversicherer und kann somit positiv auf eine grosse Herausforderung für Kliniken einwirken, nämlich die Kostengutsprache.

Weiterführende Informationen


2 Comments

  1. pio meyer

    liebe frau julia finken,
    gibt es eine studie,die “die gössere werdende nachfrage von patienten nach wohnortsnaher reha
    belegt”?
    vielen dank zum voraus für ihre antwort.
    mit freundlichen grüssen
    pio meyer

    • Julia Finken

      Sehr geehrter Herr Meyer

      Ich danke Ihnen für Ihren Kommentar. Eine grösser angelegte Studie zum Nachfrageverhalten von Rehabilitationspatienten existiert in er Schweiz bislang leider nicht. Der Gesundheitsversorgungsbericht 2013 des Kantons Zürich bestätigt diese Entwicklung jedoch; konkret ist von 2011 auf 2012 die Anzahl der Zürcher Rehabilitationspatienten, die sich im Wohnkanton behandeln liessen, von einem Viertel um ca. 30 Prozent gestiegen. Dieser Umstand wird wiederum auch vom wachsenden Angebot wohnortnaher Rehabilitation beeinflusst. Freundliche Grüsse, Julia Finken

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