Finanzkriminalität aufdecken und verhindern – eine gewaltige Herausforderung für Schweizer Banken

in Advisory, Financial Services, 26.06.2018

Im Kampf gegen organisiertes Verbrechen und Geldwäscherei steht der Schweizer Finanzplatz aufgrund seiner weltweiten Bedeutung besonders im Fokus. Entsprechend sehen sich Banken und Behörden mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Eine neue Studie von KPMG ortet Bereiche mit Handlungsbedarf.

Der Staat will die Finanzintermediäre durch Regulierungen stärker in die Pflicht nehmen: Diese sollen eine präventive Rolle einnehmen, indem sie beteiligte Parteien und die Herkunft neuer Gelder umfassender prüfen. Keine leichte Aufgabe, zumal neue Technologien und digitale Währungen Kriminellen in die Hände spielen, und grenzüberschreitende Geldströme immer schwieriger nachzuverfolgen sind.

Demgegenüber wirkt die Regulierung zum einen reaktiv, da sie der technologischen Entwicklung hinterherhinkt. Zum anderen weisen einige Banken Defizite hinsichtlich ihrer Risikoansätze sowie IT-Infrastrukturen auf.

Clarity on Financial Crime in Banking von KPMG identifiziert für Schweizer Finanzintermediäre in folgenden Bereichen Handlungsbedarf:

  • Gezielteres Engagement bei Prävention und Identifizierung : Ein gezielteres Engagement der Schweizer Banken bei der Prävention und Identifizierung finanzkrimineller Aktivitäten dient letztlich ihnen selbst. Die aktuellen Risiko-, Kunden- und Transaktionsüberwachungsansätze reichen den heutigen Herausforderungen hingegen nicht mehr. Banken sollten Werkzeuge zur effektiven Umsetzung der jeweiligen Risikoansätze wie auch zur Verbesserung der Qualität der Kundendatenbanken entwickeln. Auch bedarf es einer effektiveren Kalibrierung der Transaktionsüberwachungssysteme sowie dem Einsatz künstlicher Intelligenz.
  • Berücksichtigung institutsspezifischer Risiken: Institutsspezifische Risiken, auch solche, die sich auf die eigenen Produkt- und Dienstleitungsmerkmale der Banken beziehen, werden in der Regel wenig berücksichtigt. Nur jede fünfte Bank passt öffentliche oder gekaufte Überwachungsdaten für Sektoren mit hohem Risiko an ihr eigenes Geschäfts- und Risikoprofil an, und bloss 10% passen Überwachungsdaten für Länder mit hohem Risiko an. Ein weiterer Handlungsbedarf besteht bezüglich der Anpassung von Sanktionslisten sowie deren stärkeren Einbezug in die Risikobetrachtung von Banken.
  • Stärkung des eigenen Personals von aussen: Höhere Investitionen in IT und Personal werden häufig als bisherige Investitionsschwerpunkte genannt, um kriminelle finanzielle Aktivitäten effektiver bekämpfen zu können: 40% der Banken investierten dabei hauptsächlich in zusätzliches Personal und 38% in die IT-Infrastruktur. Offensichtlich reichen diese Investitionen nicht aus, da sich rund die Hälfte der befragten Finanzintermediäre (46%) weitere Investitionen in diesen Bereichen wünschen. Dieses Anliegen ist Indiz dafür, dass die getätigten Investitionen wenig zielführend sind. Vielversprechender sind Investitionen in die fachliche Unterstützung und Stärkung des eigenen Personals von aussen.
  • Solide Compliance-Kultur: Um den Risiken der Finanzkriminalität zu begegnen, bedarf es solider interner Rahmenbedingungen. Eine starke Compliance-Kultur und eine «angemessene Tonalität von oben» sind hierbei essentiell – reichen aber allein nicht aus, um Finanzkriminalität zu verhindern. Die tatsächliche Durchsetzung von Sanktionen gegen Mitarbeiter, die gegen Compliance-Richtlinien verstossen, ist ebenfalls unerlässlich.
  • Höhere Qualität im Meldewesen: Schliesslich bietet sich auch im Meldewesen Handlungsbedarf, da es an den Banken liegt, angemessene MROS-Meldungen zu erstatten und dabei eine hohe Qualität sicherzustellen, die dem ganzen Finanzplatz zugutekommt.

Im Kampf gegen Finanzkriminalität – wie sich Banken rüsten müssen

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