Die Schweizer Ärzteschaft sagt Ja zur Digitalisierung

in Healthcare, 11.09.2018

Im Grundsatz begrüssen rund zwei Drittel der Schweizer Ärzte die Digitalisierungsentwicklung in der Medizin. Doch im Alltag stehen sie der Konkurrenz von Dr. Internet skeptisch gegenüber – zu ungenau sind die Daten aus ihrer Sicht. Dies zeigt eine Studie der FMH und KPMG im neusten Clarity on Healthcare. Dabei konnte im letzten Jahr gezeigt werden: Eine konsequente Digitalisierung der Patientenpfade ermöglicht jährlich wiederkehrend eine Einsparung von rund CHF 300 Millionen.

Wearables und Apps mit integriertem Schrittmesser oder Kalorienverbrauchszähler gehören mittlerweile zum Alltag. Selbstdiagnosen mit Apps werden – dank künstlicher Intelligenz – mit jedem Tag treffsicherer. Und spätestens wenn zur besten Sendezeit ein Quiz mit dem Titel „Ärzte vs. Internet“ im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wird, ist klar: Das Thema “digitalisierte Gesundheit” ist bei den rund 8 Millionen Schweizern angekommen.

Eine Umfrage der FMH und KPMG bei mehr als 30‘000 Ärztinnen und Ärzten in der Schweiz (Rücklaufquote 14%) zeigt: Die Ärzteschaft befürwortet zwar die Digitalisierung ist aber noch nicht bereit, die digitalen Angebote in den Alltag zu integrieren.

Digitale Gesundheitsangebote: Skepsis vorhanden

Während sich 74% der unter 40-Jährigen mit einer grundsätzlichen Zustimmung deutlich aufgeschlossener gegenüber digitalen Angeboten geben, lehnen die über 50-Jährigen die Digitalisierung sogar im Grundsatz ab.

(Grafik anklicken für eine vergrösserte Ansicht)

Die jedoch allgemein positive Einstellung im Hinblick auf digitale Gesundheitsangebote kann mit dem für die Ärzteschaft erkennbaren Nutzen begründet werden. Vor allem Anwendungen, die die Administration unterstützen, bieten erkennbaren Nutzen.

Obwohl der Grossteil der Ärztinnen und Ärzte angegeben hat, gegenüber digitalen Gesundheitsangeboten positiv eingestellt zu sein, integriert lediglich ein Drittel der Befragten gelegentlich oder oft solche Angeboten in ihren beruflichen Alltag.

Die Befürchtung: Die Daten seien aktuell noch zu wenig zuverlässig und zu ungenau, um eine medizinische Begleitung des Patienten zu ermöglichen.

Überholtes Tarifsystem und das neue Rollenverständnis

Das heutige Tarifsystem bildet neue Dienstleistungen im Kontext der Digitalisierung in keiner Weise ab. Die Patientinnen und Patienten kommen zwar mit immer mehr Vorwissen durch das Internet in die Arztpraxis, wissen jedoch, dass sie die gewonnen Informationen nicht einordnen können. Beratung und Einordnung der häufig unübersichtlichen Informationen durch die Ärzteschaft ist an dieser Stelle gefragt. Denn die Integration digitaler Angebote geht mit einer komplexeren Beratung einher. Vorinformierte Patienten sind jedoch auch eine Chance, Prozesse effizienter zu gestalten.

Das vorherrschende Tarifsystem bildet als Einzelleistungstarif primär die technischen Leistungen ab. Die Beratung und Begleitung des Patienten, die Einordnung von Informationen findet keinen Platz oder wird zumindest nicht honoriert. Hier sollte der Hebel angesetzt werden, wenn es darum geht, die Digitalisierung des Gesundheitswesens in der Schweiz voranzutreiben; Eine Digitalisierung, die einerseits die Qualität der medizinischen Behandlung verbessert und gleichzeitig einen Beitrag zur Kostenstabilisierung leistet.

Dies zeigt auch die letztjährige KPMG-Studie, welche – konservativ geschätzt – davon ausgeht, dass in der Schweiz mit einer konsequenten Digitalisierung des Patientenpfades Einsparungen von CHF 300 Millionen möglich sind. Und dies Jahr für Jahr.

 

 

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