Entwurf zum neuen FINMA Rundschreiben “Offenlegung”

in Financial Services, 03.08.2015

Als Teil eines Anhörungspakets vom 8. Juli 2015 veröffentlichte die FINMA den Entwurf zum neuen FINMA Rundschreiben „Offenlegung“, welches die Details zu der Anforderung eines jährlichen Berichts über die Finanzlage von Versicherungen und Versicherungskonzernen gemäss Art. 111a und 203a Aufsichtsverordnung (AVO) regelt. Durch den neuen Bericht soll eine materielle Gleichwertigkeit mit den Anforderungen des Solvabilität II-Regelwerks sichergestellt werden.

Das Wichtigste in Kürze

Der Bericht über die Finanzlage eines Versicherungsunternehmens beinhaltet gemäss AVO die Geschäftstätigkeit, den Unternehmenserfolg, das Risikomanagement und dessen Angemessenheit, das Risikoprofil, die Grundlagen und Methoden, auf denen die Bewertung insbesondere der Rückstellungen beruht, das Kapitalmanagement und die Solvabilität in quantitativer und qualitativer Hinsicht. Das Rundschreiben definiert einzelne Inhalte zu jedem der angesprochenen Bereiche und gibt eine Struktur für den Bericht vor, welcher jährlich per 30. April auf der Homepage des Unternehmens (oder alternativ der FINMA) zu veröffentlichen ist.

Als Basis für den Bericht über die Finanzlage dient der Geschäftsabschluss (statutarische Jahresrechnung oder ein nach anerkanntem Standard erstellter Abschluss). Dieser ist zusammen mit dem entsprechenden Testat als Anhang zum Bericht zu veröffentlichen. Informationen zum Risikoprofil, zur Bewertung und Solvabilität stützen sich auf die Prinzipien des Schweizer Solvenztests (SST).

Es handelt sich im Wesentlichen um vorhandene, jedoch bei einer Vielzahl der Unternehmensdaten um bisher nicht öffentlich zugängliche Informationen. Hierbei sind z.B. die marktnahe Bewertung von Aktiven und der versicherungstechnischen Rückstellungen, Solvabilitätskennzahlen und Details zum Risikoprofil zu nennen.

Was sind die Auswirkungen der neuen Offenlegung?

Mögliche Auswirkungen der neuen Offenlegung sind eine höhere Transparenz der Volatilitäten in Bilanzen und Kapitalkennzahlen von Versicherern und somit ein mögliches Risiko von höheren Kapitalkosten. Zudem soll die Vergleichbarkeit mit dem Ziel des Schutzes der Versicherten erhöht werden, wobei die Gefahr von Fehlinterpretationen und Scheinvergleichbarkeit bei Anwendung von internen Modellen (SST) besteht.

Offene Prüfungsfragen

Trotz des Rundschreibens bleiben gewisse Fragestellungen offen:

  • In welcher Tiefe ist der Bericht über die Finanzlage durch die Prüfgesellschaft gemäss Rz 130 zu prüfen? Vollständigkeit der geforderten Datenbestandteile? Konsistenz zur Jahresrechnung? Inhaltliche Prüfung von Informationen?
  • Welche Bestätigung wird die Prüfgesellschaft in ihrem Aufsichtsbericht zum Bericht über die Finanzlage abgeben?

Eine Prüfung der Solvabilitätskennzahlen wäre erwartungsgemäss mit hohen Kosten für die Versicherungsindustrie verbunden, welche bereits aufgrund der Regulierungs- und Prüfungsdichte sehr kostenempfindlich geworden ist. Es wird sich zudem zeigen, ob die Angaben in einem separaten Bericht abgehandelt oder als Teil des Geschäftsberichts veröffentlicht werden. Um zusätzliche Prüfungspflichten zu vermeiden, werden viele Versicherer einen separaten Bericht über die Finanzlage erstellen und für bestimmte Informationen gemäss Rz 9 Querverweise auf bereits veröffentlichte und geprüfte Berichte machen.

Ausblick

Durch die Anforderung an einen Bericht über die Finanzlage nähert sich die Schweizer Veröffentlichung bei Versicherungsunternehmen internationalen Standards an. Dies führt zu einer höheren Transparenz im Markt. Die Datenaufbereitung wird den Druck auf die Versicherer hinsichtlich der Konsistenz der verschiedenen internen und externen Berichterstattungen weiter erhöhen. Zudem bleibt es abzuwarten, welche konkreten Prüfungspflichten an die neue Berichterstattung geknüpft sind.

 

 

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