Familienunternehmen zwischen Tradition und Innovation

in Industry insights, 26.11.2015

Familienunternehmen gehören zu den häufigsten Organisationsformen der heutigen Geschäftswelt und sie sind eine treibende Kraft in der Weltwirtschaft. Auch in der Schweiz können rund 88% aller Unternehmen als Familienunternehmen bezeichnet werden[1]. Ihre wirtschaftliche Bedeutung wird allerdings oft unterschätzt.

Familienunternehmen sind kein Auslaufmodell

Viele stellen sich unter Familienunternehmen die kleine Bäckerei oder das Malergeschäft in der Nachbarschaft vor. Tatsächlich sind sie jedoch allgegenwärtig; unter Familienunternehmen fallen nicht nur kleine und mittelständische Unternehmen, sondern auch renommierte multinationale Grossbetriebe. Ein Drittel aller Unternehmen sind im S&P 500 Index als Familienunternehmen definiert. Familienbetriebe gelten als stabile, zuverlässige Arbeitgeber, die Talente grundsätzlich besser an sich binden, eine starke wertbasierte Kultur kreieren und viel in Ausbildungen investieren.

Laut unserer KPMG Studie „European Family Business Trends“ blickt die Mehrheit der Familienunternehmen optimistisch in die Zukunft. 58 Prozent der befragten Familienbetriebe verzeichneten in den letzten sechs Monaten sogar einen Umsatzzuwachs.

Das Erfolgsrezept

Worin gründet ihr nachhaltiges Wachstum? Die Studie bietet eine simple Antwort: Familienunternehmen sehen sich gezwungen nicht nur mit ausserbetrieblichen und regulatorischen, sondern auch mit privaten, familiären Herausforderungen auseinanderzusetzen. Dank ihrer langen Tradition wissen sie, wie sie solche Situationen erfolgreich bewältigen können, weshalb sie oftmals als Überlebenskünstler gelobt werden. Zudem sind sie bestrebt, sich stets veränderten Marktgegebenheiten anzupassen. Gut funktionierende und etablierte Organisationsstrukturen und –prozesse begünstigen dabei ihre Ziele (85%).

Die fünf Haupttreiber für Erfolg

Familienunternehmen

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Aktuelle und künftige Herausforderungen

Laut unserer Studie werden Familienbetriebe fortwährend mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Die folgenden drei Bereiche gelten als die grössten Herausforderungen:

  • Verstärkter Wettbewerb: Über 20 Mio. Familienunternehmen operieren bereits im europäischen Raum. Zudem steigen jedes Jahr über eine Million neue Unternehmen in den Markt ein. Vor diesem Hintergrund ist und bleibt dieses Thema hochbrisant.
  • Kampf um Talente: Der Wettbewerb um Nachwuchstalente beschäftigt viele Unternehmen. Gerade deshalb streben sie Reformen an, die sich positiv auf die Rekrutierung wie auch auf die Attraktivität ihres Unternehmens auswirken können.
  • Rückläufige Rentabilität: Rentabilität ist das höchste Ziel und die grösste Sorge zugleich. Eine rückläufige Rentabilität beeinträchtigt in erster Linie das Wachstum, was zu einer Personalreduktion führen kann und sie somit im Kampf um Talente zurückwirft.

Weiterhin betreiben oder verkaufen?

26 Prozent der Befragten erachten die Übergabe der Geschäftsführung an die nächste Generation als ein mögliches Szenario in den nächsten zwölf Monaten. Auch die Eigentumsübertragung an die nächste Generation stellt für ein Viertel der Befragten eine Option dar. Die Beibehaltung des Unternehmens in Familienhänden ist also ein besonderes Anliegen. Die grosse Mehrheit ist sogar der Meinung, dass eine effiziente Nachfolgeplanung ein entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung des Unternehmens ist.

In den letzten zwei Jahren hat sich aber auch ein entgegengesetzter Trend abgezeichnet – der Verkauf des Betriebes. 21 Prozent der Befragten zieht diese Möglichkeit in Erwägung. Wenn sich Familienunternehmen tatsächlich dazu entscheiden, geschieht dies aus sehr unterschiedlichen Gründen – sei es aufgrund untragbarer Geschäftsmodelle oder schlicht aufgrund mangelnden Interesses am Betrieb.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserer neusten Studie „European Family Business Trends – Modern Times?“. Ich bin gespannt auf ihre Kommentare und Reaktionen.

 

[1] Quelle: CFB-HSG (2007). Das Center for Family Business der Universität St. Gallen (CFB-HSG) widmet sich seit 2003 dem Thema Familienunternehmen – in der Forschung, der Lehre an der HSG und in der Weiterbildung.