Flight or Fight? Schweizer Privatbanken müssen sich entscheiden

in Financial Services, 09.11.2015

Flight or Fight? Die Geschäftsstrategie und das operative Modell den neuen Realitäten des Private Banking anzupassen oder aus dem Markt auszusteigen – das ist der Entscheid, vor dem viele Privatbanken stehen. Der kürzlich angekündigte Konkurs einer Privatbank stellt in diesem Zusammenhang sicher ein ausserordentliches Ereignis dar. Die FINMA spricht in ihrer Medienmitteilung von „stetige Verluste“, „keine Aussicht auf Sanierung“, „Anstrengungen waren nicht erfolgreich“, „ein geeigneter Investor zur Übernahme stand nicht bereit“. Ausserordentlich an dieser Situation ist, dass gemäss FINMA die Mindestkapitalvorschriften unterschritten waren. Die meisten Privatbanken verfügen dagegen über eine sehr solide Eigenkapitaldecke und können in vielen Fällen operative Verluste über eine gewisse Zeit mit Überschusskapital abdecken. In einem anderen Punkt sind aber viele Privatbanken ebenfalls in einer schwierigen Situation: Wir haben in unserer Studie Performance of Swiss Private Banks gezeigt, dass beinahe 30% der Privatbanken operativ einen Verlust schreiben – dies zum Teil schon seit Jahren. Zahlreiche weitere Privatbanken schreiben zwar keinen operativen Verlust, sind aber trotzdem in einer unbefriedigenden Situation. Mit weiteren regulatorischen Anforderungen, insbesondere dem Automatischen Informationsaustausch, Negativzinsen und dem sehr starken Franken, wird das Resultat von Privatbanken zusätzlich negativ belastet.

Handlungsempfehlung

Hier besteht hoher Handlungsbedarf. Wir empfehlen Privatbanken unbedingt eine Standortbestimmung vorzunehmen:

  • Wie sieht ihre finanzielle Performance aus?
  • In welchen Märkten sind sie aktiv?
  • Gelingt es ihnen neue Kunden zu akquirieren?
  • Wie ist die Qualität der Kundenberater?
  • Haben sie das richtige Service Offering für ihre Zielkunden?
  • Wie sieht die Kostenbasis aus? Sind die Prozesse effizient?

Aufgrund einer solchen Standortbestimmung können die Banken dann identifizieren, wie gross die Lücke zwischen ihrer aktuellen Situation und dem gewählten Zielzustand ist. Je nach dem wie gross diese Lücke ist, haben die Banken verschiedene Handlungsoptionen:

  1. bestehendes Modell optimieren
  2. Geschäftsmodell- und operatives Modell umbauen
  3. die Bank verkaufen oder die Bank liquidieren.

Aufgrund der Dynamik der Entwicklungen im Private Banking sollten sich Banken sehr schnell entscheiden, da der Handlungsspielraum zunehmend enger wird. Insbesondere haben wir kürzlich beobachtet, dass der Verkauf von Privatbanken zunehmend schwieriger wird, wenn nicht gewisse Qualitätserfordernisse erfüllt sind.

Trotz dieser häufig negativ gefärbten Aussagen, muss hier noch einmal klar festgehalten werden: Die Private Banking Branche ist weiterhin eine Branche, in der die Schweiz weltweit führend ist. Es ist möglich in dieser Branche erfolgreich und profitabel zu operieren, wie die Gruppe von Banken, die wir in unserer Studie als „Stronger Performers“ bezeichnet haben, zeigt.

 

 

Weitere Informationen:

 


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