Freundliches Klima für Investitionen in Energieinfrastrukturen

in Advisory, Commodities Trading, Real Estate, 27.05.2015

In den letzten Jahren hat sich in der Schweiz ein Nachfrageüberhang nach Anlageimmobilien aufgebaut. Pensionskassen und andere institutionelle Anleger können aus diesem Grunde ihre strategischen Allokationsziele nicht erreichen. Angesichts der Knappheit an valablen Immobilienanlagen werden auch zunehmend die Märkte für alternative Anlagen sondiert. Die immobilienverwandte Anlageklasse «Infrastruktur» ist in der Schweiz bisher allerdings auf wenig Resonanz gestossen – zumindest nicht, was Direktinvestitionen in lokalen Infrastrukturen betrifft. An Schweizer Infrastrukturanlagen haben die Anleger bisher nur indirekt über Beteiligungen an Telekomanbietern, Energiefirmen oder Infrastrukturzulieferern partizipiert.

Die Zurückhaltung der Investoren ist aber nicht auf mangelndes Interesse, sondern auf das mangelnde Angebot an Möglichkeiten zur Direktinvestition im Infrastrukturbereich zurückzuführen. Die Verkehrsinfrastrukturen, beispielsweise Autobahnen oder der überwiegende Teil des Schienennetzes, sind direkt oder indirekt im Besitz des Bundes. Auch die Kommunikationsinfrastruktur befindet sich in den Händen der grossen Telekomunternehmen.

Ein weiterer Grund für die limitierte Verfügbarkeit an Anlagemöglichkeiten im Infrastrukturbereich ist die gute finanzielle Situation der öffentlichen Hand. Dies führt dazu, dass die Investitionsbedürfnisse im infrastrukturellen Bereich grösstenteils aus steuerlichen Mitteln gedeckt werden können und daher kein Bedarf an institutionellem Kapital besteht. Die Bereitstellung von Infrastrukturanlagen wird in der Schweiz häufig als „Service Public“ verstanden. Dies erklärt auch, wieso Public-Private-Partnerships in der Schweiz im Gegensatz zum Ausland noch nicht richtig Tritt fassen konnten.

Politik initiiert Marktöffnung im Energiesektor

Bis vor kurzem war auch der Energiesektor für direkte Infrastrukturinvestitionen grösstenteils geschlossen. Der steigende Energiebedarf und die ambitionierte Schweizer „Energiestrategie 2050“ haben die Ausgangslage im Energieinfrastruktursektor jedoch verändert. Um die geforderte Energiewende zu ermöglichen, müssen gemäss „Energiestrategie 2050“ des Bundes, inskünftig bis zu CHF 200 Mrd. in die Energieinfrastruktur investiert werden[1]. Dies entspricht fast einem Drittel des Schweizer Bruttoinlandsproduktes. Die Energieunternehmen, die bisher für die Versorgungssicherheit verantwortlich waren, können die anfallenden Investitionen nicht alleine stemmen. Es handelt sich dabei um Investitionen in die Erweiterung und den Ersatz des Übertragungs- und Verteilnetzwerkes, in die Energieproduktion und -speicherung sowie in die Energieeffizienz. Bereits heute ist erkennbar, dass die zukünftigen Kapitalbedürfnisse über die gängigen Mechanismen und durch die derzeitigen Marktteilnehmer kaum gedeckt werden können. Um diesen enormen Finanzierungsbedarf zu decken, wurde mit einem marktgerechteren Netznutzungsentgelt bereits eine partielle Marktöffnung initiiert. Dies hat die Attraktivität von Netzinfrastrukturinvestitionen zumindest teilweise erhöht.

 

Zukünftiger Investitionsbedarf in Energieinfrastrukturen bis 2050

Investitionsbedarf Energieinfrastruktur bis 2050

Quelle: UVEK

Attraktive Anlageeigenschaften

Insgesamt verfügen Einrichtungen der Energieinfrastruktur über attraktive Eigenschaften für langfristig orientierte, institutionelle oder auch private Investoren: Es handelt sich um langlebige Realwerte mit prognostizierbaren Erträgen. Weiter ist Infrastrukturanlagen meist eine starke Wettbewerbsposition eigen (z.T. Monopole oder Oligopole) und sie zeichnen sich durch ihre geringe Konjunkturabhängigkeit aus. Ein weiterer Vorteil von Infrastrukturinvestitionen ist die geringe Korrelation zu traditionellen Anlagen. Zudem werden die geringe Volatilität der Erträge wie auch der partielle Inflationsschutz von Infrastrukturanlagen geschätzt. Gerade im heutigen Tiefzinsumfeld spricht vieles für Investitionen in Infrastruktur. Auf der Risikoseite sind nebst den individuellen Projektrisiken insbesondere auch politische oder regulatorische Risiken zu nennen: Infrastrukturinvestitionen haben in der Regel sehr lange Laufzeiten und werden entsprechend langfristig finanziert. Anleger müssen sich deshalb darauf verlassen können, dass einmal gesprochene Fördermechanismen für die gesamte Laufzeit des Projekts bestehen bleiben.

Vorreiter Swissgrid-Beteiligung

Als Fanal für die erhöhte Attraktivität von hiesigen Infrastrukturanlagen kann die Beteiligung von Schweizer Vorsorgewerken an der nationalen Hochspannungsnetzbetreiberin Swissgrid gedeutet werden. Verschiedene private und öffentlich-rechtliche Schweizer Pensionskassen haben über Anlagestiftungen im Jahre 2014 in die nationale Netzgesellschaft investiert[2].

Ein limitierender Faktor für das verstärkte Engagement institutioneller Anleger sind die rigorosen Eigenmittelvorschriften für Lebensversicherer sowie die aktuellen Anlagerichtlinien für Pensionskassen[3]. Eine Anpassung dieser regulatorischen Rahmenbedingungen würde es diesen Anlegern ermöglichen, eine tragende Rolle als nachhaltige Finanzierer von Schweizer (Energie-)Infrastrukturanlagen wahrzunehmen.

 

[1] Für den Bau und Betrieb neuer Kraftwerke müssen in der Schweiz bis ins Jahr 2050 schätzungsweise CHF 67 Milliarden aufgewendet werden. Für die Erneuerung des bestehenden Kraftwerkparks rechnet der Bundesrat mit Investitionen in der Höhe von CHF 126 Milliarden. Und für den Um- und Ausbau der Stromübertragungs- und Verteilnetze wird mit geschätzten Investitionen von CHF 18 Milliarden Franken gerechnet. Dies summiert sich zu einem Investitionsvolumen von über CHF 200 Milliarden.
[2] Die IST-Anlagestiftung hat für CHF 288 Mio. einen 49.9%-Anteil an der Alpiq Grid Beteiligungs AG sowie 49.9% des Alpiq-Gesellschafterdarlehens an Swissgrid übernommen. Ausserdem hat die Credit Suisse Anlagestiftung 49.9% der BKW-Beteiligung akquiriert.
[3] Alternative Anlagen dürfen gemäss BVV2 nicht mehr als 15% des Gesamtvermögens betragen. Als alternative Anlagen gelten Hedge Funds, Private Equity, Insurance Linked Securities, Rohstoffen und Infrastrukturen. Zudem dürfen alternative Anlagen nur mittels diversifizierter kollektiver Anlagen, diversifizierter Zertifikate oder diversifizierter strukturierter Produkte vorgenommen werden.

 

 

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