Kapitalkostenstudie 2016 – Wertmessung quo vadis?

in Advisory, 07.12.2016

Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz rechnen mit unverändert hohen Renditeforderungen der Investoren – trotz eines weiter gesunkenen Zinsniveaus. Das hat die aktuelle Kapitalkostenstudie 2016 ergeben, an der rund 200 Unternehmen teilgenommen haben.

Unser wirtschaftliches Umfeld steht wahrscheinlich vor seinem bislang grössten Umbruch. Verstärkte Globalisierung in Verbindung mit Digitalisierung, Internet 2.0 und Industrie 4.0 führen zu grundlegenden Veränderungen, was Unternehmen und Investoren vor grosse Herausforderungen stellt.

Die diesjährige Ausgabe der Kapitalkostenstudie von KPMG beleuchtet, wie sich das unverändert dynamische Wirtschaftsumfeld und die hohen Marktvolatilitäten auf unternehmerische Entscheidungsprozesse auswirken und damit Planungsrechnungen und Kapitalkosten beeinflussen.

Nachfolgend werden die zentralen Ergebnisse zusammengefasst.

Planungsunsicherheit und Wachstumserwartungen

Hohe Volatilität und Unsicherheit in den Zukunftsaussichten gehören zum Alltag von Planern und Bewertern. Der Umgang damit bleibt unverändert eine grosse Herausforderung im Rahmen von Entscheidungsprozessen und Unternehmensbewertungen.

Das langfristige Umsatzwachstum sehen die Studienteilnehmer im Vergleich zum Vorjahr in Summe unverändert. Die Erwartungen hinsichtlich des künftigen EBIT-Wachstums sind dagegen deutlich verhaltener als im Vorjahr. Als Gründe für diese nachlassende Erwartungshaltung können die immer stärker werdende und gesellschaftsdurchringende Globalisierung sowie das abnehmende Effizienzpotential genannt werden. Die Kombination aus einem zunehmenden Wettbewerb und kontinuierlich kleiner werdenden operativen Effizienzgewinnen drückt auf die Erwartungshaltung der Unternehmen.

Basiszinssatz erreicht historischen Tiefststand

Der seit der Finanzkrise 2008 kontinuierliche Abwärtstrend des risikolosen Basiszinssatzes hat sich im Betrachtungszeitraum unverändert fortgesetzt – der Basiszinssatz wurde von den Schweizer Studienteilnehmern auf nunmehr 1,3 Prozent (1,5 Prozent im Vorjahr) veranschlagt. Spannend wird es sicher in den kommenden Monaten, nachdem im Juni 2016 nun auch die 30-jährige Schweizer Staatsanleihe erstmalig ins Negative drehte. Das stellt sowohl Praktiker wie auch die Finanztheorie vor neue Herausforderungen. Ist ein Basiszinssatz unter null sachgerecht? Wie ist die Marktrisikoprämie anzusetzen, gleichbleibend oder höher? Kann es sein, dass die Unternehmenswerte in einem Negativzinsumfeld ansteigen? Der Einfluss und die Anwendung von negativen Zinsen auf derzeitige Bewertungskonzepte ist sicherlich ein zentrales Thema in nächster Zeit.

Aber auch im Hinblick auf die historisch tiefen Basiszinsen sind die durchschnittlich angesetzten Kapitalkosten (WACC, Weighted Average Cost of Capital) im Vergleich zum Vorjahr mit 7,1 Prozent unverändert. Grund: Der von einem Investor über den sicheren Basiszins hinaus geforderte Risikozuschlag für Investitionen in Unternehmen ist auf 5,7 Prozent (5,3 Prozent im Vorjahr) in der Schweiz gestiegen.

Der höchste WACC wurde im Technologie-Sektor angesetzt

Während das Gesamtniveau der Renditeforderungen der Investoren im Jahresvergleich nahezu konstant war, gab es signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. So haben die teilnehmenden Unternehmen aus den Sektoren Technology (7,9 Prozent), Automotive und Industrial Manufacturing (jeweils 7,6 Prozent) die höchsten Kapitalkosten angegeben, während Unternehmen aus den Sektoren Energy & Natural Resources (6,3 Prozent), Health Care und Transport & Leisure (jeweils 6,9 Prozent) die niedrigsten Grössen aufwiesen. Diese Ergebnisse spiegeln die höheren Risiken und einen möglichen Einfluss disruptiver Technologien auf die jeweiligen Branchen wider.

Marktrisikoprämie in der Schweiz am tiefsten

Mit 5,7 Prozent liegt das Niveau der Marktrisikoprämie in der Schweiz doch deutlich tiefer als im Vergleich zu Deutschland und Österreich, die jeweils einen Wert von 6,4 Prozent aufweisen. Dieser Trend lässt sich bereits bis in das Jahr 2011 zurückverfolgen und könnte den Schluss zulassen, dass ceteris paribus die Investoren für die Schweiz eine geringere Risikoerwartung haben und dementsprechend die geforderte Gesamtrendite in der Schweiz im internationalen Vergleich niedriger ausfällt.

Die Ergebnisse der vorliegenden Kapitalkostenstudie 2016 zeigen sehr umfassend die Auswirkungen eines unverändert dynamischen Wirtschaftsumfeldes und hohe Marktvolatilitäten auf unternehmerische Entscheidungsprozesse – zum Beispiel im Rahmen von Investitions-, Transaktions- oder Transformationsentscheidungen. Diese Entscheidungen beeinflussen wiederum Planungsrechnungen und Kapitalkosten. Die Wahl der richtigen Entscheidung oder Handlungsoption orientiert sich zunehmend an den verbundenen Performance- und Risikoveränderungen, die gleichermaßen Ursache für resultierende Veränderungen des Unternehmenswerts sind. Die Basis zur Beurteilung von unternehmerischen Entscheidungen sind demzufolge Bewertungskalküle, deren Kern eine sachgerechte Ableitung der Plan-Cashflows sowie der hierzu äquivalenten Kapitalkosten darstellt.

Weitergehende Ausführungen und Analysen zu Fragestellungen rund um Kapitalkosten, Planungsrechnung und Wertorientierung finden Sie in der vollständigen Kapitalkostenstudie.

Vollständige Studie: Kapitalkostenstudie 2016. Wertmessung – quo vadis?

 

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