Leichter Anstieg der Nachlassstundungen unter neuem Sanierungsrecht

in Advisory, 20.12.2018

Das Ziel der SchKG-Revision vom 1. Januar 2014 war es, die gerichtliche Sanierung von Unternehmen zu erleichtern. Anhand der Erfahrungen aus der Beratungspraxis und unseren Umfragen bei Schweizer Gerichten zieht KPMG eine Zwischenbilanz.

KPMG veröffentlicht die zweite Studie zu den Nachlassstundungen in der Schweiz und vergleicht die Entwicklungen vor (2010 bis 2013) und nach (2014 bis 2017) Inkrafttreten des revidierten Sanierungsrechts.

Anzahl Verfahren seit 2014 leicht steigend

Gemäss der Analyse von KPMG ist die Anzahl der Verfahren schweizweit von geschätzten rund 100 pro Jahr (2010 bis 2013) auf jährlich rund 130 (2014 bis 2017) gestiegen. Damit sind die Nachlassstundungen wie erwartet leicht gestiegen, aber insgesamt auf relativ tiefem Niveau verblieben. Mit geschätzten rund 170 Nachlassstundungen stellt das Jahr 2016 das Rekordjahr seit 2010 dar, was vor allem auf den Frankenschock vom Januar 2015 zurückzuführen sein dürfte.

Erleichterung der Formvorschriften und Herausforderungen bei der stillen Stundung

Die zweite KPMG-Studie bestätigt erneut, dass die mit der Gesetzesrevision verfolgte Erleichterung der Formvorschriften zur Verfahrenseinleitung wirksam war. Allerdings hat sich der anfänglich vielversprechende Bekanntmachungsverzicht in der Praxis – gerade bei operativ tätigen Unternehmen – nur selten als praktikabel bzw. umsetzbar herausgestellt (gemäss der Studie von KPMG betrug der Anteil der stillen Verfahren seit 2014 rund 15%). Für jene Fälle, bei denen eine stille Stundung genehmigt wurde, zeigt die Praxis, dass die heute mögliche Dauer von maximal vier Monaten meist zu kurz ist.

Fazit und Ausblick

Mit den per 1. Januar 2014 in Kraft getretenen Neuerungen wurden viele wertvolle Gestaltungsmöglichkeiten geschaffen, die das Instrument der Nachlassstundung insgesamt in die richtige Richtung entwickelt haben. Ausgehend von meiner Praxiserfahrung und gestützt auf die Analyse von KPMG ziehe ich folgendes Fazit:

  • Der eigentliche Schlüssel zur weit verbreiteten, erfolgreichen Anwendung dieses Instruments bleibt aus meiner Sicht die zunehmende Auseinandersetzung und Erfahrung der Praktiker mit dem Verfahren.
  • Die Finanzierung des anspruchsvollen Verfahrens und die allgemein mit einem gerichtlichen Verfahren verbundenen Unsicherheiten stellen weiterhin Herausforderungen dar. Die Verfahren werden daher häufig (zu) spät eingeleitet.
  • Die Möglichkeit der Aufhebung von Dauerschuldverhältnissen war aus meiner Sicht eine der wichtigsten Neuerungen. Da jedoch das Retentionsrecht des Vermieters im Gesetz verankert blieb, hat dies die Möglichkeit der Aufhebung von Mietverträgen im Rahmen von Nachlassstundungen geschwächt. Dies ist gerade für Sanierungen in der stark geforderten Detailhandelsbranche von grosser Bedeutung.
  • Das Novum der stillen Stundung, in der viele Restrukturierungspraktiker grosse Chancen und Möglichkeiten sahen, hat sich in der Praxis als schwer umsetzbar erwiesen. Die neue Aktienrechtsrevision sieht auf Antrag des Sachwalters die Möglichkeit einer Verlängerung der provisorischen Stundungsphase auf acht Monate vor, was der heutigen zu kurzen Dauer von vier Monaten entgegenwirkt. Dies betrifft jedoch nur die stillen Verfahren, welche gemäss Studie von KPMG einen Anteil von 15% ausmachen.
  • Die übertragende Sanierung mittels Prepack unter dem neuen Sanierungsrecht ist noch wenig verbreitet. Dabei geht es im Wesentlichen darum, eine Sanierungslösung vor Beantragung der Nachlassstundung beim Gericht möglichst weitgehend bzw. detailliert vorzubereiten. In einigen Fällen dürfte ein Prepack sowohl für das sanierungsbedürftige Unternehmen bzw. für seine Gläubiger wie auch für (neue) Investoren wesentliche Vorteile mit sich bringen.

 

 

Unsere Dienstleistungen und weitere Informationen:

 


Leave a Reply

Your email address will not be published.