NSFR: Mehr als nur Bilanzinformationen erforderlich

in Financial Services, 04.09.2015

Die NSFR (Net Stable Funding Ration, dt. Quote für strukturelle Liquidität) wurde im Rahmen der neuen Liquiditätsregulierung unter Basel III im Jahre 2010 konzipiert. Banken in der Schweiz werden ab 2018 verpflichtet sein, eine Mindestanforderung an die NSFR von 100% einzuhalten.

NSFR Regulierung in der Schweiz

Die FINMA hat eine Beobachtungsperiode eingeführt, die drei Jahre dauert und in zwei Etappen unterteilt ist: Eine Test-Reportingphase für ausgewählte Banken, welche von 2015 bis zum 1. Quartal 2016 dauert und die allgemeine Berichterstattungsphase für alle Banken ab dem 2. Quartal 2016 bis Ende 2017. Die Berichterstattung erfolgt auf monatlicher Basis für Banken der FINMA Kategorie 1 und 2 mit einer Einreichefrist von 30 Kalendertagen und auf vierteljährlicher Basis für alle anderen Banken mit einer Einreichefrist von 60 Kalendertagen.

Für die Test-Reportingphase hat die FINMA einen Erhebungsbogen mit dazugehörigen Bearbeitungshinweisen veröffentlicht. Die revidierte Liquiditätsverordnung sowie das angepasste FINMA Rundschreiben 2015/2 Liquiditätsrisiken Banken mit den regulatorischen Anforderungen bezüglich der NSFR, werden in der ersten Hälfte von 2017 verfügbar sein.

Die grössten Herausforderungen in Kürze

Banken sollten den folgenden Aspekten besondere Berücksichtigung schenken und bereits frühzeitig mit deren Implementierung beginnen:

  • Belastete Aktiva: Banken müssen diejenigen Aktiva (d.h. Wertpapiere, physische Rohstoffe, Kredite und Wohnbauhypotheken, Einlagen bei Finanzinstituten etc.) identifizieren, welche belastet oder verpfändet (encumbered) sind und die Dauer der Belastung ausweisen. Des Weiteren müssen Aktiva, die im Rahmen von Liquiditätsgeschäften mit Zentralbanken belastet sind, separat ausgewiesen werden. Normalerweise sind diese detaillierten Informationen zur Belastung von Aktiva im Hauptbuch nicht vorhanden. Ausserdem sind die erforderlichen Informationen zur Belastung umfangreicher als diejenigen in der Liquidity Coverage Ratio (LCR) Meldung.
  • Restlaufzeiten: Die Positionen müssen nach ihrer Restlaufzeit in entsprechenden Fälligkeitsintervallen erfasst werden. Bei Eigenkapitalinstrumenten oder Verbindlichkeiten mit Kündigungsrechten, die nach Ermessen der Bank ausgeübt werden können, muss die Bank annehmen, dass die Kündigung zum frühestmöglichen Zeitpunkt erfolgt. Bei der Laufzeit von Aktiva ist davon auszugehen, dass eine Option zur Verlängerung der Laufzeit ausgeübt wird.
  • Information aus der LCR, Leverage Ratio und Eigenmittel-Meldung: 
  1. Banken müssen sicherstellen, dass die Klassifizierungen von Gegenpartien, von qualitativ hochwertigen, liquiden Aktiva (HQLA), sowie von operativen und nicht-operativen Einlagen mit der LCR übereinstimmen.
  2. Falls Netting-Vereinbarungen existieren, welche die Bedingungen des Basler Regelwerks zur Leverage Ratio erfüllen, sind für die Wiederbeschaffungswerte derjenigen Derivaten Positionen, die durch diese Vereinbarungen gedeckt sind, die Nettowiederbeschaffungswerte anzusetzen. Eine Verrechnung von erhaltenen Sicherheiten aus Nachschussforderungen in bar (cash variation margin) mit den derivativen Forderungen ist nur erlaubt, wenn die entsprechenden Bedingungen im Basler Regelwerk zur Leverage Ratio erfüllt sind.
  3. Kern- und Ergänzungskapital (‘Tier 1 capital’ und ‘Tier 2 capital’) sowie die relevanten Abzüge vom regulatorischen Eigenkapital sind nach den in der Schweiz ab 2019 gültigen Basel III Vorgaben zu erfassen.
  • Informationen zu Derivaten: Banken müssen sowohl zwischen der Sicherheitsmarge (Initial margin) und der Schwankungsmarge (Variation margin) für Derivatkontrakte unterscheiden, als auch ob die Sicherheitsmarge bei einer zentralen Gegenpartei für die eigenen Positionen der Bank oder für Kunden hinterlegt sind. Dieser Differenzierungsgrad ist im Hauptbuch oft nicht vorhanden.

Aktueller Handlungsbedarf bei den Banken

Der NSFR Erhebungsbogen verlangt detaillierte, granulare Informationen, die in der Bilanz bzw. im Hauptbuch meistens nicht vorhanden sind. Um sicherzustellen, dass die regulatorischen Vorschriften zur NSFR ab 2018 eingehalten werden können, sollten Banken bereits jetzt anfangen, die vorhandenen Daten-Lücken zu identifizieren und die nötigen Daten- und Systemerweiterungen so schnell wie möglich implementieren.

 

 

Weitere Informationen:

 


Leave a Reply

Your email address will not be published.