OECD zeigt Möglichkeiten für Selbstanzeigen auf

in Financial Services, Legal, Tax, 26.08.2015

Der Automatische Informationsaustausch (AIA) mit dem Ziel, grenzüberschreitende Steuerhinterziehung zu verunmöglichen, wird sich als globaler Standard durchsetzen – so viel steht heute fest. Auch über das “Wann” herrscht zunehmend Klarheit. Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter – und ausländische Privatpersonen – müssen sich nun im Detail mit der Umsetzung des AIA auseinandersetzen. Die rund 50 «Early-Adopter-Staaten» (insbesondere die EU Staaten) sehen den ersten Austausch von Informationen bereits im Jahr 2017 für das Jahr 2016 vor.

Schweiz plant Datenaustausch ab 2018

Es bleibt noch offen, ob dieser Termin global eingehalten werden kann und welche Staaten den AIA letztlich per Anfang 2016 einführen können. In der Schweiz wird der AIA jedoch aller Voraussicht nach am 1. Januar 2017 mit allen EU-Staaten wie auch mit Australien starten. 2018 wird der erste Datenaustausch betreffend das Jahr 2017 stattfinden. Das bedeutet, dass betroffene Steuerpflichtige mit unversteuerten Vermögenswerten in der Schweiz eine stetig näher rückende Frist haben, um ihre bestehende Situation zu klären bzw. zu regularisieren. Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass andere Staaten beispielsweise bereits jetzt mittels Gruppenanfragen an Daten von Kunden von Schweizer Finanzinstituten kommen können.

Die OECD setzt sich seit Beginn dieses Jahrzehnts gegen Steuerhinterziehung ein und hat einen globalen Standard definiert, um dieser nachhaltig zu begegnen. Daneben hat sie immer die Notwendigkeit hervorgehoben, dass Steuerzahler die Möglichkeit haben müssen, um freiwillig steuerehrlich zu werden. Die neueste Publikation der OECD “A pathway to tax compliance” unterstreicht diese Haltung abermals. Zugleich gibt sie Leitlinien für Staaten ab, wie diese mit entsprechenden Offenlegungsprogrammen die wichtige Brücke zwischen der Vergangenheit und der nahen Zukunft schlagen können. Eine umfangreiche Zusammenstellung mit 47 Ländern gibt zudem Auskunft, welche rechtliche Möglichkeiten zur Zeit bestehen.

Offenlegung als einzige Alternative

Es bestehen keine Zweifel mehr, dass der AIA auf allen relevanten Finanzplätzen und zwischen einer grösseren Zahl von Staaten in Kraft treten wird. Dementsprechend haben die betroffenen Personen faktisch keine andere Wahl, als die nicht deklarierten Vermögenswerte und Einkünfte offenzulegen. Verschiedene Staaten ermöglichen dank einmaligen Steueramnestien oder zeitlich limitierten Selbstanzeige-Programmen – wie beispielsweise aktuell in Italien – attraktive Lösungen dafür. Die OECD-Publikation sowie eine Übersichtskarte von KPMG geben hierzu detaillierte Informationen.

Schweizer Finanzinstitute spielen wichtige Rolle

In diesem Zusammenhang sind nicht nur Privatpersonen alarmiert, sondern vor allem Schweizer Finanzinstitute in der Pflicht, ihre Kunden optimal zu unterstützen. Dazu gehören insbesondere der Hinweis auf das sich bald schliessende Zeitfenster sowie Informationen zur rechtlichen Situation im jeweiligen Land und die damit verbundenen Möglichkeiten zur Regularisierung von Vermögenswerten. Kunden können dabei von tieferen Strafsteuern und einer möglichen Ausnahme von einer strafrechtlichen Verfolgung profitieren. Finanzinstitute können dadurch die Basis für eine künftige Geschäftsbeziehung mit steuerkonformen Kunden legen und so das Vertrauensverhältnis zu ihren Kunden nachhaltig vertiefen. Der oben erwähnte Brückenschlag in eine transparente Zukunft muss deshalb von allen Beteiligen unterstützt werden.

 

 

Weitere Informationen: