Performance der Schweizer Privatbanken

in Financial Services, 03.09.2013

Den grossen Schweizer Privatbanken ist es gelungen, sich gegenüber dem Vorjahr zu steigern und eine gesamthaft konsistentere Leistung zu erzielen. Die Situation für zahlreiche kleinere und mittlere Banken bleibt hingegen kritisch. Dies zeigen wir in unserer neusten Ausgabe der Studie „Performance der Schweizer Privatbanken“, die in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen erstellt wurde. Die Studie basiert auf den Geschäftsberichten von mehr als 100 Schweizer Privatbanken.

Einerseits konnten Schweizer Privatbanken – begünstigt durch die positive Performance an den Aktienmärkten – zwar die verwalteten Vermögen, die Erträge und den Gewinn steigern. Andererseits veranschaulichen die Ergebnisse aber auch, dass die Situation insbesondere für kleine Banken mit einem verwalteten Vermögen von weniger als CHF 5 Milliarden kritisch bleibt.

Wichtige Erkenntnisse der Studie sind:

  • Weiterhin ungenügende Eigenkapitalrenditen: Die Eigenkapitalrenditen stiegen durchschnittlich von 3.8% auf 4.0% an, liegen damit aber nach wie vor deutlich unter einer risikogerechten Rendite, welche je nach Bank im Bereich von 8-10% liegen müsste. Des Weiteren zeigen sich substanzielle Unterschiede zwischen den einzelnen Marktteilnehmern: Die Eigenkapitelrendite der grossen Institute befindet sich mit 6.9% deutlich über derjenigen von kleineren (3.1%). Bei Banken, die ihr Geschäftsmodell aktiv angepasst haben, scheinen sich die Anstrengungen auszuzahlen, und sie vermochten ihre Performance auch in einem schwierigen Umfeld zu verbessern. Insofern hat sich die Spreu vom Weizen zu trennen begonnen.
  • Anhaltende Verluste: Mit 23% ist der Anteil an verlustmachenden Banken auch 2012 gross. Betroffen sind ausschliesslich kleine und mittelgrosse Banken. Viele von ihnen verzeichneten bereits in den vergangenen Jahren Verluste. Die Aktionäre scheinen aber weiterhin gewillt, Verluste in Kauf zu nehmen.
  • Marktbedingte Erholung der verwalteten Vermögen: Es war primär die positive Anlageperformance, welche 2012 für einen Anstieg der verwalteten Vermögen sorgte – im Durchschnitt um 4%. Organisches Wachstum war dennoch schwierig zu erreichen: Mehr als die Hälfte der Banken verlor Kundengelder und lediglich 20% der Institute gelang es, eine positive Neugeldentwicklung von mehr als 10% zu erzielen.
  • Stabile Personalkosten auf hohem Niveau: Über die Hälfte der Marktteilnehmer reduzierte zwar ihren Personalstamm, aber 2012 beschäftigten die analysierten Banken insgesamt mehr Personen als noch im Vorjahr. Die Personalkosten pro Mitarbeiter verharrten bei CHF 213‘000.
  • Keine deutliche Kostenreduktion erkennbar: Über alle analysierten Banken hinweg betrachtet, sank das durchschnittliche Kosten-Ertrags-Verhältnis zum ersten Mal seit 2007. Mit 80% bewegt es sich jedoch auf einem nach wie vor sehr hohen Niveau. Die grossen Privatbanken vermochten aber ihr Kosten-Ertrags-Verhältnis von 77% auf 71% zu senken, während die kleinen Banken bei 82% stagnierten.
  • Beschleunigter Rückgang Anzahl Privatbanken: Die Anzahl Privatbanken reduzierte sich 2012 deutlich um 13 auf 148. Diese beschleunigte Konsolidierung ist primär durch eine Zunahme der Liquidationen begründet. Auffällig in diesem Zusammenhang ist eine steigende Anzahl von M&A-Prozessen, die nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnten.

Die herausfordernde wirtschaftliche und politische Lage sowie der anhaltende Druck aus dem Ausland werden den Trend zu einer weiteren Konsolidierung begünstigen. Wir erwarten deshalb für die kommenden drei Jahre einen Rückgang der Anzahl Schweizer Privatbanken um 25 bis 30%. Um dem starken Veränderungsdruck und den Herausforderungen auf regulatorischer und politischer Ebene gewachsen zu sein, gilt es für die Institute auch künftig, ihr Geschäftsmodell sowie ihre Strukturen stetig zu überprüfen und die für sie kritische Grösse und neue Wachstumsmöglichkeiten zu eruieren.


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