Sind die Kosten für die Einführung des Rechnungslegungs- und Revisionsrechts gerechtfertigt?

in Audit, 20.12.2013

Der Bundesrat hat am 13. Dezember 2013 einen Bericht zu den Regulierungskosten für insgesamt 13 Bereiche – u.a. auch für das Rechnungslegungs- sowie Revisions- und Revisionsaufsichtsrecht – veröffentlicht. Zudem wurden Möglichkeiten zur Vereinfachung aufgezeigt, um diese Kosten in Zukunft zu reduzieren.

Schon bei der Ausarbeitung der neuen Gesetzesbestimmungen zur Revision und Rechnungslegung haben die Räte vorwiegend die damit zusammenhängenden Kosten thematisiert. Mit Blick auf die Entlastung der KMU von administrativen Auflagen mag dies nachvollziehbar sein.

Fairerweise müsste aber auch der Nutzen berücksichtigt werden:

Bei der Revision liegt dieser in der Verminderung der Informationsasymmetrie, die zwischen Geschäftsleitung und Aktionären besteht. Banken profitieren, indem sie keine eigene Prüfung der Jahresrechnung vornehmen müssen, bevor Kredite gesprochen werden. Aber auch der Staat stützt sich beispielsweise bei der Erhebung von Steuern auf geprüfte Jahresrechnungen.

Von der Rechnungslegung profitiert die Gesellschaft zuerst selbst. Ohne eine (geprüfte) Jahresrechnung ist es dem Verwaltungsrat nicht möglich, die Oberleitung der Gesellschaft wahrzunehmen und den Geschäftsbericht zu erstellen – beides unübertragbare und unentziehbare Aufgaben gem. Art. 716a OR. Neben der Selbstinformation dient die Jahresrechnung aber auch dem Schutz der Interessen weiterer an der Gesellschaft beteiligter Personen.

Im vom Bundesrat verabschiedeten Bericht zu den Regulierungskosten wurde der Nutzen der Rechnungslegung oder Revision natürlich nicht quantifiziert. Die (Netto-)Kosten von Rechnungslegung, Revision und Revisionsaufsicht werden auf CHF 1.66 Milliarden geschätzt. Von den auf den ersten Blick astronomischen Bruttokosten von CHF 11.7 Milliarden, welche die Erstellung und Prüfung der Jahresrechnung kosten, würden 90% auch anfallen, ohne dass staatliche Vorschriften dazu bestünden (sog. Sowieso-Kosten) – weil die Erstellung einer ordnungsmässigen Jahresrechnung Voraussetzung für die Geschäftsführung und das Fortbestehen der Gesellschaft ist.

Zu diesem doch erfreulichen Schluss scheinen auch die Gesellschaften selbst zu kommen, wenn im Bericht steht, dass die Regulierungskosten in diesen Bereichen «generell vertretbar» sind.

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