Standort Schweiz: Zuversicht überwiegt, der Druck bleibt aber hoch

in Advisory, 13.12.2016

Nach einem für den Wirtschaftsstandort Schweiz turbulenten Jahr 2015, hat sich das Umfeld im eben abgelaufenen Jahr zwar beruhigt, aber die Herausforderungen in vielen Branchen bleiben hoch. Während die politischen Entscheidungen im Inland keine wesentlichen Veränderungen mit sich brachten, sorgen die Entscheide im Ausland für erheblichen Gesprächsstoff und anhaltende Unsicherheit. Insgesamt haben die Unternehmen aber aktiv auf die neuen Marktgegebenheiten reagiert und schauen zuversichtlich in die Zukunft.

Zuversicht am Wirtschaftsstandort Schweiz überwiegt

Um den Zustand und die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Schweiz zu untersuchen, haben wir zum zweiten Mal eine umfragebasierte Studie bei über 80 Schweizer Unternehmen durchgeführt. Die Umfrage bestätigt klar, dass der Druck auf die Energiebranche in diesem Jahr stark zugenommen hat. Wir sind stolz darauf, zu unserem Fokusthema „Energiebranche“ Herrn Jens Alder, Verwaltungsratspräsident der Alpiq Gruppe, für ein Gespräch im Nachgang zur Abstimmung zur Atomausstiegsinitiative gewonnen zu haben (Seite 16). Zudem freue ich mich, Sie auf die aktuelle Markteinschätzung zur Energiebranche meines Kollegen Silvan Jurt aufmerksam zu machen (Seite 14).

Die Neuauflage der Restrukturierungsstudie von KPMG bestätigt die grundsätzlich solide Verfassung der gesamtwirtschaftlichen Lage in der Schweiz und deutet auf eine beeindruckende Agilität der ansässigen Unternehmen hin. Im Vergleich zur letztjährigen Umfrage fällt auf, dass sich die Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Schweiz deutlich aufgehellt hat. So gehen über 70 Prozent der befragten Unternehmen mittelfristig von einer neutralen oder positiven Entwicklung aus. Dieser verhaltene Optimismus kommt analog zur letztjährigen Studie auch bei den Erwartungen für das kommende Geschäftsjahr zum Ausdruck. Leider muss ich anmerken, dass sich die letztjährigen Hoffnungen diesbezüglich nicht erfüllt haben.

Die grosse Mehrheit der Unternehmen restrukturiert

Die Restrukturierungsaktivitäten haben im Vergleich zum Vorjahr stark zugenommen. 70 Prozent der Befragten haben entweder eine Restrukturierung kürzlich abgeschlossen, führen aktuell eine durch oder planen in nächster Zeit eine solche.

Erstaunlicherweise planen 43 Prozent der Unternehmen keine Restrukturierung, obwohl sie ihre aktuelle Geschäftslage als weder gut noch schlecht einstufen, und 10 Prozent obwohl sie ihre Lage sogar als schlecht einstufen. Diese Unternehmen gehen vermutlich von einer temporär ungünstigen Wirtschaftslage aus. Falls sich die Situation in ihren Märkten jedoch nicht bald wieder aufhellt, so könnte diese passive Einstellung einen dauerhaften Verlust von Marktanteilen und im schlimmsten Fall das Ausscheiden aus dem Markt nach sich ziehen.

Restrukturierung auf operativer Ebene ist Teil des Programms

Praktisch alle Restrukturierungsprogramme beinhalten operative Massnahmen (Organisation, Prozesse, Betriebsmodell), wie beispielsweise Kostenreduktionen, IT-Optimierungen oder der Einsatz neuer Technologien zur Effizienzsteigerung. Gut die Hälfte zielt auf die Strategie, was bei der Mehrheit den Aufbau neuer Geschäftsfelder oder die Anpassung des Produktportfolios bzw. des Leistungsversprechens bedeutet. Das Thema Digitalisierung dürfte dabei sowohl auf operativer wie auch auf strategischer Ebene einen bedeutenden Einfluss haben. Rund ein Viertel der Unternehmen restrukturiert auf finanzieller Ebene, wo gemäss der Studie vor allem Massnahmen im Bereich Working Capital Management verbreitet sind. Erstaunlicherweise bestehen in diesem Bereich noch Optimierungspotenziale.

Frankenstärke und Beziehung zur EU als Risikofaktoren

Die grössten Risiken für die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz sehen die Unternehmen in einer weiteren Stärkung des Schweizer Frankens und der potentiellen Kündigung der bilateralen Verträge mit der EU. Der Preisdruck im Ausland (75%) und Inland (61%) führt auch in diesem Jahr die Liste der Herausforderungen an. Sorgen bereitet den Schweizer Unternehmen aber nach wie vor auch das Verhältnis zwischen der Schweiz und der Europäischen Union. Auch der zunehmend wahrgenommene Wettbewerb durch neue Geschäftsmodelle stellt eine grosse Herausforderung dar.

Zum Zeitpunkt der Befragung standen noch die Präsidentschaftswahlen in den USA und die Abstimmung in Italien bevor. Ich gehe davon aus, dass sich diese politischen Entwicklungen bei heutiger Durchführung der Umfrage als zusätzliche Unsicherheiten kristallisiert hätten.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre und freue mich über jegliche Kommentare und Anregungen von Ihnen!

Vollständige Publikation: Restrukturierungsstudie 2016

 

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