Steuertransparenz bietet neue Chancen

in Financial Services, Tax, 09.04.2015

Im Januar 2015 hat der Bundesrat nicht nur die Vernehmlassung zur Umsetzung des Automatischen Informationsaustauschs (AIA) in der Schweiz lanciert, sondern auch die Vernehmlassung zum OECD Amtshilfeübereinkommen. Bei den aktuellen Diskussionen zum AIA, scheint die Bedeutung des Amtshilfeübereinkommens noch nicht allseits erkannt worden zu sein. Das Amtshilfeübereinkommen sieht nebst der rückwirkenden Gewährung von Amtshilfe gegenüber allen Vertragsstaaten auch den spontanen Informationsaustausch vor.

Rückwirkende Amtshilfe

Zurzeit ist für die Gewährung von Amtshilfe vorausgesetzt, dass die Schweiz mit dem entsprechenden Staat ein DBA mit einer Amtshilfeklausel nach dem OECD Amtshilfestandard hat. Nach Inkrafttreten des OECD Amtshilfeübereinkommens in der Schweiz, voraussichtlich 2017, kann jeder der über 70 Vertragsstaaten des OECD Amtshilfeübereinkommens der Schweiz Amtshilfeersuchen stellen, auch mittels Gruppenanfragen. Das Amtshilfeübereinkommen sieht sogar vor, dass bei vorsätzlichen, der strafrechtlichen Verfolgung unterliegenden Steuerdelikten, Amtshilfe rückwirkend auf den 1. Januar 2014 möglich ist (nach Inkrafttreten des Amtshilfeübereinkommens wohl am 1. Januar 2017). Somit können nach Inkrafttreten des Amtshilfeübereinkommens in der Schweiz, alle Vertragsstaaten Amtshilfeersuchen beispielsweise auch betreffend Schweizer Bankkunden stellen, welche ihr Konto bereits 2014 saldiert haben.

Spontane Amtshilfe

Mit dem Amtshilfeübereinkommen wird der spontane Informationsaustausch eingeführt. Dabei werden Informationen, über welche beispielsweise die Schweiz verfügt, unaufgefordert an einen anderen Vertragsstaat übermittelt, wenn der informierende Staat davon ausgeht, dass die betreffenden Informationen für den anderen Staat für die Durchsetzung von Steueransprüchen von Interesse sind. Die Informationen werden somit spontan übermittelt, ohne vorgängiges Auskunftsersuchen.

Es bleibt nicht mehr viel Zeit

Auch wenn der AIA in der Schweiz „erst“ 2017 in Kraft tritt, müssen sich die Vermögensverwalter bereits jetzt mit diesem beschäftigen. Es sollten nicht nur die noch nicht steuerehrlichen Kunden bei der Regularisierung unterstützt werden, sondern es gilt auch zu vermeiden, dass die Kunden, insbesondere bei Vermögensverwaltungsstrukturen, durch den AIA verunsichert werden. Dies vor dem Hintergrund, dass bei Strukturen (z.B. Stiftungen und Trusts) faktisch alle involvierten Personen, insbesondere Begünstigte, aber auch die Errichter und Protektoren, der Meldung unter dem AIA unterliegen. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass allenfalls die Struktur selbst meldepflichtig wird, wenn diese als sogenanntes Investmentunternehmen qualifiziert. Wenn nun beispielsweise eine Stiftung in Liechtenstein ihren Sitz hat, müsste diese allenfalls bereits 2017 für das Jahr 2016 die erste Meldung unter dem AIA tätigen, da Liechtenstein den AIA bereits per 1. Januar 2016 einführt. Somit könnten Schweizer Stiftungsräte von ausländischen Strukturen schon sehr bald konkret mit dem AIA konfrontiert sein.

Steuertransparenz als Chance nutzen

Unser Magazin Clarity on AIA in der Vermögensverwaltung geht auf den Weg der Schweiz zur Steuertransparenz und insbesondere auf den AIA aber auch das italienische Offenlegungsprogramm im Detail ein. Dabei ist die unausweichliche Steuertransparenz keine Bedrohung für den Finanzplatz Schweiz und zwar nicht nur weil sich auch die anderen Finanzplätze zur Steuertransparenz verpflichtet haben, sondern weil diese auch Chancen bietet. Gemäss unseren Erfahrungen behält nicht nur eine Vielzahl der Kunden nach der Offenlegung der Vermögenswerte diese in der Schweiz, sondern vertrauen viele Kunden dem Vermögensverwalter weitere deklarierte Gelder an. Dies gilt umso mehr, wenn der Vermögensverwalter den Kunden auf dem Weg in die Steuerehrlichkeit unterstützt hat.

 

 

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