Suitability: Automatisierung als effizienter Weg

in Financial Services, 27.01.2016

Die neuen Anforderungen des Finanzdienstleistungsgesetzes (FIDLEG), v.a. auch in Bezug auf Suitability, werden die schweizerischen Finanzdienstleister vor einem nicht zu unterschätzenden Implementierungsaufwand stellen. Eine (Teil-)Automatisierung dieser regulatorischen Pflichten wirkt dabei unterstützend, vermeidet Ineffizienzen und steigert die Compliance Sicherheit.

Die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen haben insbesondere im Finanzdienstleistungssektor zu erheblichen Veränderungen und Herausforderungen geführt und die Finanzmarktakteure sehen sich mit einer erhöhten Regulierungsdichte auf den nationalen und internationalen Finanzplätzen konfrontiert. Mit der geplanten Einführung des FIDLEG in der Schweiz und der Revision der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) in der Europäischen Union, stehen unter anderem signifikante regulatorische Änderungen in Bezug auf die Verpflichtung zur Sicherstellung der Suitability an.

Primäres Ziel des FIDLEG ist die Stärkung des Kundenschutzes und in diesem Zusammenhang die Pflichten zur Prüfung von Geeignetheit oder Angemessenheit einer Finanzdienstleistung bzw. des Produkts für den Kunden. Konkret heisst dies, dass ein Produkt dem Kunden nur angeboten werden darf, wenn es zu seinen Kenntnissen und Erfahrungen, finanziellen Verhältnissen sowie Anlagezielen passt.

Was sind die grössten Herausforderungen und wie schafft eine Automatisierung Abhilfe?

Die Anforderungen zur Sicherstellung des Kundenschutzes bringen eine Reihe von Herausforderungen für die Finanzdienstleister mit sich. Diese umfassen beispielsweise:

  • Erfassung des Kundenprofils: Um eine umfassende Einschätzung des Kundenprofils vornehmen zu können, müssen zahlreiche Informationen über den Kunden eingeholt und erfasst werden. Diese müssen zudem laufend aktuell gehalten werden. Die Erfassung dieser Daten innerhalb einer automatisierten Lösung stellt sicher, dass die Informationen komplett und jederzeit abrufbar sind und durch automatische Erinnerungsfunktionen regelmässig aktualisiert werden.
  • Extensive Informations- und Dokumentationspflichten: Das FIDLEG enthält nicht nur eine Reihe von Vorgaben zu Inhalt, Zeitpunkt und Form von Informationspflichten gegenüber dem Kunden, sondern verlangt von den Finanzdienstleistern auch, dass diese jederzeit Rechenschaft zu den erbrachten Dienstleistungen und deren Entscheidungsgrundlagen gegenüber dem Kunden sowie der Aufsichtsbehörde ablegen können. Eine automatisierte Lösung kann über eine Erinnerungsfunktion auf notwendige Informationspflichten hinweisen und zudem standardisierte Informationen generieren. Durch die Dokumentation der durchgeführten Geeignetheits- bzw. Angemessenheitsprüfung wird zudem die Einhaltung der Rechenschaftspflicht sichergestellt.
  • Abstimmung Kundenprofil und Produktuniversum: Da dem Kunden nur für ihn geeignete oder angemessene Produkte angeboten werden dürfen, müssen Kundenprofil und Produktuniversum aufeinander abgestimmt werden. Ein manueller Abgleich ist einerseits aufgrund der Vielzahl an Kunden, andererseits aufgrund der hohen Mengen an benötigten Produktinformationen kaum machbar. Durch sogenannte Product Risk Classifications, welche selbst erstellt oder von externen Datenprovidern angeliefert werden, können Kundenprofil und Produktuniversum entsprechend miteinander abgeglichen werden, sodass dem Kunden nur für ihn geeignete Produkte empfohlen werden.
  • Cross-Border Geschäfte: Werden neben schweizerischen Kunden auch Kunden mit Domizil innerhalb der EU betreut, ist es aus Risikosicht unbedingt zu empfehlen, neben den Bestimmungen des FIDLEG auch die Anforderungen der MiFID II in diesem Bereich umzusetzen. Denn es besteht ein signifikantes Risiko, dass diese in einem allfälligen Rechtsfall als zwingend anzuwendende Konsumentenschutzbestimmungen eingestuft werden. Da es sich bei der MiFID II um eine Richtlinie handelt, welche in jedem Mitgliedstaat einzeln umzusetzen ist, sind hier neben den Vorgaben der Richtlinie auch die individuellen nationalen Umsetzungsrechtakte zu beachten. Dies erhöht die Komplexität zusätzlich. Eine automatisierte Lösung schafft Abhilfe, indem sie einen Überblick über die länderspezifischen Anforderung geben und sicherstellen kann, dass jeweils die richtige Vorschrift (abhängig vom Kundendomizil) zur Anwendung gelangt.
  • Produktspezifische regulatorische und steuerliche Elemente: Je nach Land gelten unterschiedliche produktspezifische Anforderungen und Einschränkungen. Diverse IT-Provider bieten bereits solche Informationen an, welche ebenfalls in einer automatisierten Lösung aufgegriffen werden können.

Mögliche Verzögerung MiFID II

Es besteht nach wie vor Unsicherheit über eine mögliche Verschiebung des Inkrafttretens gewisser Teile der MiFID II um ein Jahr. Dies betrifft in erster Linie handelsseitige Themen, die einen noch höheren Umsetzungsaufwand mit sich bringen als die Anlegerschutzthematik. Was bedeutet eine potentielle Verschiebung nun konkret für Schweizer Finanzintermediäre? Ob eine Bank mit der Implementierung zuwarten sollte, kann letztlich nur institutsspezifisch beurteilt werden – es ist aber davon abzuraten. Einerseits weil der Zeitvorteil positiv genutzt werden kann und aufgrund des hohen Implementierungsaufwandes kein Weg daran vorbeiführt, und andererseits weil sich die aktuelle Gesetzeslage aufgrund einer Verschiebung nicht ändert. So sind  die Vorgaben der MiFID I bereits jetzt innerhalb der ganzen Europäischen Union (EU) geltendes Recht und sollten von Banken mit im Ausland domizilierten Kunden daher schon heute eingehalten werden.

Was ist zu tun?

Aufgrund des nicht zu unterschätzenden Implementierungsaufwands, sollten sich die Finanzintermediäre frühzeitig mit den neuen Bestimmungen des FIDLEG und der MiFID II zum Thema Suitability befassen. Mit der Durchführung von sogenannten Impact Assessments können einerseits die notwendigen strategischen Entscheidungen, andererseits der konkrete Umsetzungsbedarf identifiziert werden. Darüber hinaus gibt eine solche Analyse Aufschluss über mögliche Einsatzmöglichkeiten einer Automatisierung und bietet eine Entscheidungsgrundlage betreffend der Einbindung von externen Datenprovidern.

 

 

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