Schweizer Familienunternehmen setzen auf Innovation und Recruiting

in National Market, 07.03.2019

Das aktuelle European Family Business Barometer, das jährlich gemeinsam von European Family Businesses und KPMG veröffentlicht wird, zeigt für die Schweizer Familienunternehmen eine aussichtsreiche Entwicklung: Die Hälfte der Studienteilnehmer blickt den kommenden zwölf Monaten positiv oder sogar sehr positiv entgegen.

Europäische Familienunternehmen sind zuversichtlich für die Zukunft, müssen aber agiler werden, Innovationen forcieren und Spitzenkräfte gewinnen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und weiter zu wachsen. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse des aktuellen European Family Business Barometers, der auf Antworten von über 1‘500 Familienunternehmen aus 26 europäischen Ländern basiert. An der aktuellen Studie haben auch 13 familiengeführte Unternehmen aus der Schweiz teilgenommen und zusätzlich über Schwerpunktthemen wie Politik, Digitalisierung und Steuern Auskunft gegeben.

Drängende betriebswirtschaftliche Herausforderungen und politische Instabilität

Die Schweizer Ergebnisse der europaweiten Studie zeigen, dass KMU für 2019 zuversichtlich sind und sich im vergangenen Jahr zukunftsträchtig entwickeln konnten: 46 Prozent der Befragten bestätigen, dass sie ihren Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr gesteigert haben. Und 30 Prozent der Betriebe vermelden für denselben Zeitraum einen konstanten Umsatz. Die Gesamtstudie hat ergeben, dass dreiviertel der europäischen Familienunternehmen ihre wirtschaftliche Zukunft für das laufende Jahr positiv oder sogar sehr positiv einschätzen.

Dennoch sind Familienunternehmen mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Vor allem der Kampf um qualifizierte Mitarbeitende, hohe Lohnnebenkosten, wachsende Konkurrenz und Rückgang der Rentabilität stellen die grössten Herausforderungen für heimische Familienunternehmen dar.

Trotz Brexit, wachsendem Protektionismus und umstrittenen Handelsgesprächen, die sich weltweit abspielen, wird politische Unsicherheit von Schweizer KMU nicht zu den grossen Herausforderungen gezählt. Dennoch beurteilen 54 Prozent der Schweizer Betriebe das unstabile Marktumfeld in Europa, Grossbritannien, Asien sowie Nord- und Südamerika als eines der grössten Risiken. 23 Prozent zählen die Überregulierung und den zu hohen Verwaltungsaufwand zu den grössten unternehmerischen Gefahren.

Besonders für die exportorientierten Unternehmen stehen das Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU, protektionistische Tendenzen in den USA sowie generelle geopolitische Unsicherheiten im Fokus. Viele traditionelle Handelspartner der Schweiz sind unberechenbarer geworden: Deutschland stand lange Zeit ohne Regierung da, Grossbritannien steckt kurz vor einem möglicherweise „harten“ Brexit, und Frankreich und Italien befinden sich im Reformstau.

Grosse Investitionen in Technologie, Innovation und neue Arbeitskräfte

38 Prozent der Schweizer Studienteilnehmer planen eine Erweiterung und Diversifizierung ihrer Produkte, um das zukünftige Wachstum voranzutreiben. Knapp die Hälfte plant Investitionen in die Internationalisierung. 85 Prozent der Schweizer Betriebe (Europa 86 Prozent) investieren in das Kerngeschäft. 92 Prozent der Befragten investieren in Innovation und Technologie (Europa 83 Prozent) und 77 Prozent in Rekrutierung und Ausbildung (Europa 81 Prozent).

Als grösste Herausforderung in Bezug auf die Digitalisierung haben 61 Prozent der Schweizer Familienunternehmen die Anpassung ihres Geschäftsmodells angegeben. Im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung und technologiegetriebenen Märkte erkennen sie aber die Notwendigkeit neuer Fähigkeiten bei Mitarbeitenden und Führungskräften. Die erforderlichen neuen Kompetenzen beschaffen sich die Betriebe nicht zuletzt durch die Einstellung von neuen Mitarbeitenden. Vor diesem Hintergrund haben 46 Prozent der Schweizer Betriebe im letzten Jahr ihren Personalbestand erhöht.

Insgesamt sehen die Firmen in der Digitalisierung grosse unternehmerische Chancen. Sie zwingt die Firmen aber auch, ihr Geschäftsmodell zu überdenken, birgt substanzielle Risiken durch Cyberkriminalität und erfordert zusätzliche Anstrengungen bezüglich Datenschutz.

Anhaltende Rechtsunsicherheit wegen hängiger Steuerreform

Die hohe Regulierungsdichte stellt eine grosse Belastung für die befragten Firmen dar und verteuert den sehr kostspieligen Standort Schweiz weiter. Auch die Rechtsunsicherheit – etwa im Zusammenhang mit der immer noch hängigen Steuerreform – macht den Schweizer Unternehmen stark zu schaffen. Eine grosse Herausforderung stellt zudem der anhaltende Fachkräftemangel dar.

In diesem Zusammenhang haben 54 Prozent der Schweizer Firmen angegeben, dass sie eine wirksame Reform der Unternehmensbesteuerung zu den drei wichtigsten Erwartungen an Politik und Regulierung zählen. Die Sicherung des dualen Bildungssystems zur Gewährleistung qualifizierter Arbeitskräfte wurde mit insgesamt 23 Prozent als zweitwichtigstes politisches Thema genannt. 15 Prozent der Betriebe nannten mögliche Entlastungen bei der Vermögens- und Erbschaftssteuer als eine der wichtigsten Anforderungen an Politik und Regulator.

Das komplette European Family Business Barometer mit den detaillierten Ergebnissen zum KPMG Stimmungstest bei Europas Familienunternehmen finden Sie hier.

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