Umsatz- und Gewinnrückgang – der Druck auf Schweizer Unternehmen wächst

in Advisory, 07.12.2015

Die regulatorischen und politischen Rahmenbedingungen sowie das wirtschaftliche Umfeld sind im Wandel. Zwei der jüngsten und prominentesten Beispiele sind die Annahme der Volksinitiative „Gegen Masseneinwanderung“ und die Aufhebung der Kursuntergrenze des Schweizer Frankens durch die Schweizerische Nationalbank. Damit haben sich für eine kleine und offene Volkswirtschaft wie jene der Schweiz ökonomisch wichtige Faktoren verändert, am Beispiel des Wechselkurses für viele Unternehmen sogar schockartig. Neben der unvorhersehbaren Währungsentwicklung halten auch die Ungewissheiten im Hinblick auf die Unternehmenssteuerreform III und die bevorstehende Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative an. Immerhin hat sich der Bundesrat am 4. Dezember 2015 klar für eine einvernehmliche Lösung mit der EU ausgesprochen, um den bilateralen Weg zu sichern und diesbezüglich Rechtssicherheit zu schaffen.

Umsatz und Gewinn gehen mehrheitlich zurück

KPMG hat die aktuelle Lage am Wirtschaftsstandort Schweiz zum Anlass genommen, um erstmals zum Thema Restrukturierung in der Schweiz eine umfragebasierte Studie bei rund 80 Schweizer Unternehmen aus verschiedenen Branchen durchzuführen.

Wenig überraschend bestätigt die Umfrage, dass insbesondere die Frankenstärke bei einer Vielzahl der Schweizer Unternehmen zu einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation geführt hat. So beurteilen 45% der Befragten ihre aktuelle Geschäftslage als negativ. Am stärksten leiden die Unternehmen unter der gesunkenen Profitabilität (58%) und der tieferen Umsätze (47%). Auch der hohe Preisdruck im In- und Ausland wurde als eine der zentralsten Herausforderungen genannt. In einigen Branchen wie der exportierenden Fertigungsindustrie, dem Detailhandel, Tourismus sowie Bau- und Energiesektor ist die Lage besonders angespannt.

Wirtschaftsstandort Schweiz unter Druck

Die Veränderungen im Marktumfeld spiegeln sich auch in einer negativen Einschätzung zum Wirtschaftsstandort Schweiz wider.

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So wird die hiesige Wettbewerbsfähigkeit von 64% der Befragten schlechter bewertet als im Vorjahr. Besonders zu schaffen macht den Schweizer Firmen der starke Franken. 16% der Befragten sehen deswegen sogar ihre Existenz bedroht.

Politisch sorgt bei den Unternehmen die mögliche Kündigung der bilateralen Verträge mit der EU für die grösste Unsicherheit: Knapp zwei Drittel aller Befragten sehen hier ein negatives oder gar existenzbedrohendes Risiko für ihren Betrieb.

Proaktives Gegensteuern oder Aussitzen?

Insgesamt sind die Unternehmen trotz aller Unsicherheiten aber weiterhin auf Vorwärtskurs und gehen einen proaktiven, auf Innovation sowie Expansion ausgerichteten Weg, statt sich nur auf Kosteneinsparungen zu konzentrieren.

Restrukturierungsstudie

(Grafik anklicken für eine vergrösserte Ansicht)

Rund ein Drittel setzt aktuell Restrukturierungsmassnahmen um, und 19% planen solche. Andererseits führen rund 42% der Befragungsteilnehmer, welche das Marktumfeld als negativ (eher schlecht) bewerten, derzeit weder Restrukturierungen durch, noch sind solche in Planung. Diese gehen wohl nur von einer temporären Verschlechterung der Situation aus.

Die solide Geschäftstätigkeit während der vergangenen Jahre und die mehrheitlich konservative Finanzierung vieler Schweizer Unternehmen haben dafür gesorgt, dass genügend Reserven vorhanden sind. So bestehen vielerorts trotz negativer Geschäftslage keine akuten Kapital- und Liquiditätsprobleme.

Unsere Einschätzungen zu den einzelnen Umfragethemen können Sie unserer Restrukturierungsstudie 2015 entnehmen.

 

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