Ungewollte Immobilienverkäufe

in Advisory, Real Estate, 19.05.2015

Die Einführung einer nationalen Erbschafts- und Schenkungssteuer könnte besonders bei Familienbetrieben zu Liquiditätsengpässen führen und im schlimmsten Fall eine Betriebsaufgabe oder den ungewollten Verkauf von Immobilien zur Folge haben.

Einschränkung kantonaler Steuerhoheit

Im Falle einer Annahme der Initiative würde der Bund auf allen Erbschaften und Schenkungen, welche den Freibetrag von zwei Millionen Franken überschreiten, eine Abgabe von 20 Prozent erheben. Bei Vermögen, die über den einmaligen Freibetrag hinausgehen, bedeutete dies eine Mehrfachbesteuerung, da die Erbmasse bereits durch den Erblasser versteuert wurde. Da die Erbschaftssteuer neu durch den Bund erhoben würde, schränkt die Initiative auch die traditionelle Steuerkompetenz der Kantone ein.

Erschwerte Bedingungen für Schweizer KMU

Besonders betroffen im Falle einer Annahme wären die Klein- und Mittelbetriebe in der Schweiz, welche rund zwei Drittel der Arbeitsplätze bereitstellen. 78 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sind gemäss der Stiftung KMU Next im Familienbesitz. Viele dieser Betriebe könnten eine solche Erbschaftssteuer aus betrieblichen Mitteln nicht selbst finanzieren. Die im Initiativtext angesetzten Begünstigungen für Unternehmensnachfolgen sind sehr limitiert: Ein Unternehmen müsste von den Erben oder Beschenkten mindestens zehn Jahre weitergeführt werden, um bei der Besteuerung von besonderen Ermässigungen zu profitieren.

Besondere Herausforderungen für Hotelbetriebe

Nebst der Frankenstärke und den neuen Einschränkungen durch die Zweitwohnungsinitiative wäre eine Erbschaftssteuer auch für viele Hotelbetriebe in Familienhand eine weitere finanzielle Hürde. Die Ertragskraft dieser Betriebe unterliegt starken saisonalen Schwankungen und finanzielle Mittel für notwendige Investitionen wären gefährdet. Die Nachkommen einer vererbten Unternehmung könnten in Liquiditätsengpässe geraten, da benötigtes Kapital für die Erbschaftssteuern im Betrieb gebunden ist. Zudem würden Hotelbetriebe wohl nur sehr zurückhaltend Kredite für die Begleichung der Erbschaftssteuern bekommen.

Ungewollte Immobilienverkäufe

Häufig sind Vermögenswerte über Bankkredite finanziert und in Immobilien gebunden. Da freie Mittel zur Begleichung der Steuer fehlen, wären einige Betriebe zur Veräusserung von Liegenschaften gezwungen, wobei der Verkaufserfolg der Immobilien von deren Art und Lage abhängig ist. Ausserdem sind Industrie- und Gewerbeliegenschaften auch in einem heissgelaufenen Immobilienmarkt nicht immer gesuchte Anlageobjekte, weshalb die Gefahr einer Betriebsaufgabe aus Liquiditätsgründen droht.

 

 

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