VSB 20: Verschärfte Standesregeln im Bereich der Geldwäschereibekämpfung

in Financial Services, 06.08.2018

Die «Vereinbarung über die Standesregeln zur Sorgfaltspflicht der Banken» (VSB 20) wurde von der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) erlassen und wird gleichzeitig mit der neuen Geldwäschereiverordnung-FINMA am 1. Januar 2020 in Kraft treten. Die verschärfte Selbstregulierung ist ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Geldwäscherei und Terrorfinanzierung. Welche Auswirkungen haben die überarbeiteten Sorgfaltspflichten für Finanzintermediäre?

Die wichtigsten Änderungen in Kürze

  • Der Schwellenwert für die Identifizierung des Vertragspartners bei Kassageschäften wird von CHF 25,000 auf CHF 15,000 gesenkt;
  • Ein Konto ohne vollständige Dokumentation und Angaben über den Vertragspartner, den wirtschaftlich Berechtigten oder den Kontrollinhaber muss neu nach 30 anstatt 90 Tagen für alle Zu- und Abgänge gesperrt werden. Fehlen lediglich einzelne Angaben und/oder Dokumente, so kann das Konto ausnahmsweise benützt werden, sofern die Anwendung einer Ausnahmebestimmung aufgrund einer risikobasierten Beurteilung als sachgerecht erscheint. Die Geschäftsbeziehung ist, sollten die fehlenden Angaben und/oder Dokumente nicht beigebracht werden, in jedem Fall aufzulösen.
  • Das FINMA-Rundschreiben betreffend Video- und Online-Identifizierung wurde formell und materiell in die VSB 20 aufgenommen;
  • Die Bestimmung zum abgekürzten Verfahren mittels Selbstanzeige bei einfach gelagerten Fällen wurde spezifiziert. Die Prüfgesellschaften werden neu enger in den Prozess eingebunden, indem die Bank zur Selbstanzeige die vollständigen Akten des Falles sowie einen Bericht einer Prüfgesellschaft einreicht. Der Bericht der Prüfgesellschaft schildert dabei zumindest den Sachverhalt und nennt die betroffenen Vorschriften der Standesregeln.

Auswirkungen für Finanzintermediäre

Der Kerngehalt der bisherigen Vereinbarungen zu den Standesregeln bleibt erhalten. Die Folgen der aktuellen Änderungen sind jedoch für die betroffenen Finanzintermediäre nicht unbeachtlich, beispielsweise

Kassageschäfte: Neu muss die Vertragspartei bzw. der wirtschaftliche Berechtigte bei Bartransaktionen ab CHF 15,000 identifiziert und festgestellt werden, sofern keine Geschäftsbeziehung mit dieser Partei besteht. Die betroffenen Finanzintermediäre müssen ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ausbilden sowie die zugrunde liegenden Prozesse und Kontrollen (bspw. Formulare, Transaktionsüberwachung, Compliance Kontrollen) anpassen.

Dokumentationspflicht: Die verkürzte Frist zur Beibringung der Dokumente und weiterer Angaben über den Vertragspartner, wirtschaftlich Berechtigten und/oder Kontrollinhaber bei Eröffnung von Geschäftsbeziehungen ist in den internen Regelwerken abzubilden. Weiter sind die Prozesse der Beziehungsaufnahme (Onboarding) anzupassen mit stringenten Kontrollen bezüglich der Einhaltung der Frist, Sperrung für Konto Zu- und Abgänge sowie Auflösung der Geschäftsbeziehung.

Die VSB 20 lässt neu für den Zeitpunkt der Erfüllung der Dokumentationspflicht eine risikobasierte Beurteilung und damit grösseren Spielraum durch den Finanzintermediär zu. Macht dieser von einer solchen Ausnahme oder Abweichung aufgrund der eigenen Risikobeurteilung Gebrauch, so sind die diesbezüglichen Verfahren und Prozesse in den internen Regelwerken abzubilden.

Video- und Onlineidentifizierung: Durch die Aufnahme des FINMA-Rundschreibens über die Video- und Onlineidentifizierung in die VSB 20 werden die Identifizierung bei persönlicher Vorsprache der Videoidentifizierung und die Identifizierung bei Aufnahme der Geschäftsbeziehung auf dem Korrespondenzweg der Onlineidentifizierung gleichgestellt.

Übergangsbestimmungen: Die VSB 20 ist für alle Geschäftsbeziehungen anzuwenden, welche nach dem 1. Januar 2020 neu aufgenommen oder für diejenigen, bei denen eine Wiederholung der Sorgfaltspflichten ab dem 1. Januar 2020 notwendig ist. Für bestehende Geschäftsbeziehungen kann die bisherige Dokumentation als genügend erachtet werden.

Was sind die nächsten Schritte für Finanzintermediäre?

Noch bleibt ein wenig Zeit, um die Änderungen der VSB 20 operationell umzusetzen. Dennoch empfiehlt sich, dass sich Finanzintermediäre bereits in den nächsten Monaten mit folgenden Themen auseinandersetzen:

  • Welche internen Richtlinien, Regelwerke und Arbeitsanweisungen sind zu überarbeiten oder gegebenenfalls zu erstellen?
  • Wo besteht Schulungsbedarf und welche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen müssen geschult werden?
  • Was sind die Auswirkungen auf den Risikoappetit, Risikomanagement und Reporting?
  • Inwiefern sind Management Informationen und allgemeine Berichterstattung anzupassen?
  • Welche Anpassungen in den Prozessen und Kontrollen müssen vorgenommen werden?
  • Wie wird die Kundenkommunikation gehandhabt, insbesondere bei möglichen Verstössen gegen die Sorgfaltspflichten?
  • Sind erhöhte Qualitätssicherungsmassnahmen notwendig, vor allem während der ersten Monate nach Einführung?

 

 

Unsere Services und weitere Informationen: