Wie weiter mit Goodwill?

in Audit, 02.07.2014

Anfang 2014 hat das IASB das Projekt zur Überprüfung der Umsetzung von IFRS 3 „Unternehmenszusammenschlüsse“ eingeläutet. Aus der öffentlichen Informationsanfrage erhofft sich das IASB Anregungen für eine eventuelle Überarbeitung des Standards. Ein gewichtiger Aspekt dieses Projektes dürfte im heute angewandten Impairment-only Modell für Goodwill liegen.

KPMG hat aus diesem Grund ausgewählte Vertreter unterschiedlicher Anspruchsgruppen hinsichtlich Relevanz und Wirksamkeit des heute angewandten Modells, sowie zu Schwierigkeiten in der Anwendung und zur Offenlegung von Anhangsangaben befragt.

Ausgangslage

Goodwill als positiver Unterschiedsbetrag zwischen dem Kaufpreis und dem erworbenen Nettovermögen wird als Vermögenswert aktiviert. Danach wird der Goodwill nicht planmässig abgeschrieben, unterliegt aber zwingend einem jährlichen Werthaltigkeitstest.

Dieses Impairment-only Modell wurde in diversen akademischen Forschungsarbeiten untersucht und führte zusammengefasst zu folgenden Erkenntnissen:

  • Impairmentverluste treten gemeinsam mit wesentlichen Rückgängen in der Marktbewertung auf, was verdeutlicht, dass Impairmentverluste die wirtschaftlichen Eigenschaften von Goodwill besser reflektieren als eine planmässige Amortisation.
  • Rapportierte Impairmentverluste beeinträchtigen den Aktienkurs grundsätzlich negativ, wobei die Marktreaktionen mit zunehmender Professionalität des Investorenkreises geringer ausfallen.
  • Die buchhalterische Erfassung von Impairmentverlusten erfolgt in der Regel zeitlich verzögert zu den wirtschaftlichen Impairments, was die erhöhte Aufmerksamkeit der Regulatoren für dieses Thema erklärt.

Eigene Beobachtungen der KPMG in der Schweiz für das Geschäftsjahr 2009 konnten diese Forschungsergebnisse aber nur teilweise bestätigen. Die Erwartung, dass im Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise diverse Unternehmen Wertberichtigungen auf Goodwill erfassen, hat sich nicht vollumfänglich bestätigt. Aus einer Gruppe von 25 Unternehmen hatte die Mehrheit zwar Impairmentverluste erfasst, jedoch lediglich eine Minderheit davon auf Goodwill. Die übrigen erfassten ausschliesslich Wertberichtigungen für Sachanlagen und übrige immaterielle Vermögenswerte.

Insgesamt lassen die Untersuchungsergebnisse aber den Schluss zu, dass der Markt einerseits Impairmentverluste antizipiert und andererseits die Vermutung nahe liegt, dass das Management Anreizen ausgesetzt ist, die Erfassung von Impairmentverlusten zeitlich hinauszuzögern, um den Eindruck zu vermeiden, dass es unvorteilhafte Investitionsentscheide getroffen hat.

Ergebnisse der KPMG Umfrage zu Impairmenttests

Die Relevanz von Werthaltigkeitstests wird hauptsächlich in der Bestätigung bisheriger Marktwerteinschätzungen gesehen, sowie zur Renditebeurteilung von Investitionen und damit einhergehend der Leistung des Managements. In der Praxis nutzt jedoch nur eine Minderheit von Unternehmen die Ergebnisse von Impairmenttests für solche internen Beurteilungen, da hierfür eher finanzielle Messgrössen (z.B. EBITDA) herangezogen werden.

Die Effektivität von Impairmenttests wird umso tiefer eingestuft, je später Impairmentverluste verbucht werden. Einen entscheidenden Nachteil der Wertminderungstests sehen die Teilnehmer im erheblichen Ausmass an subjektiver Einschätzung, die das Modell erfordert. Das Mana¬gement könne die erforderlichen Einschätzungen unmöglich unvoreingenommen vornehmen, weshalb ein grosser Ermessensspielraum besteht, wann genau ein Impairmentverlust zeitlich erfasst wird.

Die Schwierigkeiten in der Anwendung sehen die Befragten wiederum in den vielen Annahmen und Einschätzungen (z.B. Diskontsatz), die bei der Durchführung von Impairmenttests getroffen werden müssen, welche den gesamten Prozess für die Unternehmen zudem sehr komplex und zeitaufwendig machen. Ein weiteres Problem wird darin gesehen, dass das Impairmentmodell auf zahlungsmittel¬generierenden Einheiten beruht, während das Management oftmals auf übergeordneten Stufen, beispielsweise auf Segmentstufe, führt. Die Identifikation der zahlungsmittel¬generierenden Einheiten, die Allokation von Goodwill bei Akquisitionen oder Verkäufen und die Neuzuordnung desselben nach Umstrukturierungen führt zu zusätzlicher Komplexität, welche wiederum auch die Wirksamkeit der Werthaltigkeitstests negativ beeinflusst.

Bei den in Bezug auf die Werthaltigkeitstests offenzulegenden Informationen zeigen sich deutliche Gegensätze zwischen Erstellern und Nutzern der Jahresrechnungen:

  • Unternehmen leiden unter den aus ihrer Sicht überbordenden Angabepflichten und sehen keinen Bedarf für zusätzliche Offenlegungspflichten.
  • Nutzer und dabei insbesondere die Analysten würden weitergehende Informationen zu den Impairmenttests bevorzugen und beklagen fehlende Konsistenz in der heutigen Offenlegung.
  • Regulatoren wiederum sind mit dem jetzigen Umfang an offengelegter Information tendenziell zufrieden, wünschen sich aber eine Erhöhung der Informationsqualität.

Alternativen zum heutigen Modell

Die abschliessende Frage nach möglichen Alternativen zum heutigen System zeigt eine breite Palette von Ideen unter den Teilnehmern:

  • Lineare Amortisation: Die weitaus häufigste Antwort war eine Rückkehr zum früheren Modell mit linearer Amortisation des Goodwills.
  • Indikator-basierter Impairmenttest: Einige Interviewpartner würden einen Wechsel vom jährlich zwingenden zu einem indikator-basierten Test begrüssen, wonach ein detaillierter Impairmenttest nur dann durchgeführt werden müsste, wenn eindeutige Indikatoren eines Wertverlustes vorliegen.
  • Verbesserung des Impairment-only Modells: Einige Teilnehmer befürworten eine Verbesserung des heutigen Modells, wobei hier die Ansprüche an eine Verbesserung sehr breitgefächert ausfallen (u.a. Ausrichtung auf operative Segmente, Bereitstellung weiterer Anwendungshilfen oder zusätzliche Anhangsinformationen).
  • Sofortabschreibung von Goodwill: Einige sehen die Lösung in einer Sofortabschreibung von Goodwill im Zeitpunkt der Akquisition, sei dies aus konzeptionellen oder praktischen Gründen.
  • Festhalten am Status Quo: Obwohl das heutige Modell gewisse Mängel aufweist, sollte in der Meinung einiger Teilnehmer am heutigen Ansatz festgehalten werden, da dieses Modell grundsätzlich funktioniert.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das heutige Goodwillaccounting kontrovers diskutiert wird und eine bemerkenswerte Bandbreite von individuellen Meinungen und Ansichten bei den verschiedenen Anspruchsgruppen vorliegt. Da die Frage der künftigen Behandlung von Goodwill einen wesentlichen Einfluss auf die Konzernrechnung haben kann, empfehlen wir die weiteren Entwicklungen in diesem Projekt aufmerksam zu verfolgen und allenfalls eigene Beiträge zu leisten.

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