Zeitgemässe Entschädigungsmodelle in Spitälern

in Advisory, 07.09.2012

Die Einführung der SwissDRG entfaltet auch Wirkung auf Bereiche, an die in einem ersten Schritt möglicherweise nicht gedacht wurde. Zum Beispiel auf den heiklen Bereich der Personalentlohnung und insbesondere auf die Regeln, nach denen Honorare für Ärzte vergütet werden.

Anreizorientierte Vergütung: Ja sicher, aber bitte nur für Ärzte!?

«Anreizorientierung» oder «leistungsorientierte Vergütung» sind Schlagworte, die in Spitälern häufig noch nicht zum Alltag gehören. Historisch ist in Spitälern eine variable Vergütung häufig nur für Ärzte vorgesehen. Dass nur Ärzte direkt für die Leistung belohnt werden, ist für die Motivation der gesamten Belegschaft nicht förderlich. Dabei könnten ohne Weiteres auch andere Bereiche wie z.B. die Pflege, die Therapiebereiche oder die administrativen Abteilungen in eine leistungsorientierte Vergütung aufgenommen werden, indem Ziele definiert, deren Erreichung gemessen und schliesslich bewertet werden.

Veraltete Berechnungsgrundlagen für Arzthonorare

Zurück zu den Hauptakteuren eines Spitals, den Ärzten. Noch heute basieren viele Honorarmodelle für Ärzte auf veralteten Tarifsystemen, wie zum Beispiel dem Spitalleistungskatalog (SLK). Derartige Kataloge sind historisch gewachsen und bilden die gestiegene Komplexität der medizinischen Versorgung und die heutigen Behandlungsmethoden kaum adäquat ab. Ausserdem bieten derartige einzelleistungsbasierte Systeme keinen Anreiz für ein DRG-konformes Verhalten und beteiligen die Ärzte weder am Erfolg noch am Misserfolg einer Klinik. Das Risiko liegt ausschliesslich beim Spital.

Eine bewährte Lösung

Als einfache und von den Ärzten akzeptierte Lösung auf dem Weg zu einem neuen Anreizsystem hat sich die kostenneutrale Überführung der bisherigen Honorare in ein an SwissDRG angepasstes Modell erwiesen. Dabei werden Arzthonorare als Anteil des effektiven Fallerlöses berechnet. Als positiver Effekt resultiert Zielkongruenz: Das Streben des Arztes zur Erhöhung seines Honorars führt aus Spitalsicht zur Erhöhung ihres DRG-Erlöses. Nebenbei werden ausserdem klassische „Problemzonen“ verbessert: Die Erstellung einer qualitativ hochwertigen Dokumentation (als Basis für eine adäquate Kodierung) ist nun im Interesse der Ärzte und auch die benötigte Zeit zur Erstellung der Arztberichte verkürzt sich üblicherweise – ohne Bericht keine Kodierung, ohne Kodierung keine Abrechnung, und ohne Abrechnung kein Arzthonorar.

Auch wenn hier sicherlich nur ein kleiner Ausschnitt aus diesem komplexen und nicht selten emotional behafteten Themenkreis beschrieben wurde – der Wechsel zu einem modernen (Arzt-)Entschädigungsmodell bietet viele Vorteile.


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