Zwei Jahre SwissDRG – Marktveränderungen

in Advisory, Healthcare, Industry insights, 08.05.2014

Wie hat SwissDRG seit seiner Einführung vor zwei Jahren den Schweizer Gesundheitsmarkt verändert, und mit welchen Strategien reagieren die Spitäler?

Das Spital als Unternehmen

Die stärkere Vergleichbarkeit der Spitäler im DRG-Zeitalter und der zunehmende Kostendruck führen dazu, dass in den Spitälern ein besseres betriebswirtschaftliches Verständnis entsteht. Aus meiner täglichen Zusammenarbeit mit Spitälern bekomme ich den Eindruck, dass das Spital neu als Unternehmen verstanden wird, welches nicht mehr nur nach qualitativen sondern auch nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu führen ist. So werden zum Beispiel vermehrt auch defizitäre Leistungen hinterfragt oder neue Einkommensquellen erschlossen. Kaderärzte, welche sich diesen wirtschaftlichen Veränderungen im Spitalumfeld verweigern, geraten zunehmend unter Druck. Zudem riskieren sie mit ihrer Blockade eine Öffnung und Neuausrichtung des Spitals, welches unternehmerisch denken und handeln muss.

Markttrends

Ich stelle eine stärkere Bewegung der Patientenströme in die Zentren fest. Dies hängt mit der zunehmenden Spezialisierung der dort ansässigen Fachärzte und der Zentralisierung der teuren medizinischen Infrastruktur zusammen. Attraktiv sind vor allem Zentren, welche den Patienten eine spezialisierte und gleichzeitig ganzheitliche Behandlung ermöglichen, wie z.B. in einem Zentrum für die Brust, einem urologischen Zentrum, etc. Dieser Trend ist insbesondere auch für die Mitarbeitenden interessant: Für ihre eigene Weiterentwicklung ist es zielführender, in einem Spital mit vertieften Fachausrichtungen zu arbeiten und sich so spezialisieren zu können. Kleinere Spitäler, in denen eine spezialisierte Versorgung aufgrund der niedrigen Fallmenge nicht möglich ist, haben zunehmend Mühe, Personal zu rekrutieren.

Strategien

Während in den Jahren vor der neuen Spitalfinanzierung fast keine Strategie-Aktivitäten erkennbar waren, beobachte ich gegenwärtig eine zunehmende Bedeutung dieses Themas. Die Entscheidungsträger kommen vermehrt zur Erkenntnis, dass eine Strategie auf die spezifische Situation des Spitals, auf das Marktumfeld, die Wettbewerbssituation und die eigenen Potentiale ausgerichtet sein muss. Für ein Regionalspital sehe ich zum Beispiel folgende grundsätzliche Strategieentscheide:

  • Zusammenschluss mit einem grossen Partner (z.B. einem Kantonsspital): Dies führt zu zusätzlichen Optionen bei Kapazitätsengpässen, zur Sicherung des Einzugsgebiets oder zu besseren Bedingungen bei der Fokussierung auf ein spezialisiertes Angebot.
  • Alleingang: Die begrenzte Grösse soll durch ein klares Profil und eine aktiv kommunizierte Positionierung genutzt werden. Aufgrund der Reduktion der Komplexität der Fälle können eine hohe Effizienz und eine stabilere Auslastung im stationären Bereich erreicht werden, welche erheblich zur Wirtschaftlichkeit beitragen. In der Regel bringt ein zusätzlicher Patient einen Deckungsbeitrag von 75 Prozent mit sich, sofern nicht zusätzliche Fixkosten entstehen.

Wie weiter?

Die Konsolidierung in der Spitallandschaft steht noch bevor. Es werden Strategien angepasst und neue Ideen und Konzepte entwickelt und umgesetzt werden müssen, wobei der Kostendruck sich noch akzentuieren wird. Diese Entwicklungen setzen die Spitäler Risiken aus, eröffnen aber auch neue Chancen für unternehmerisch und ganzheitlich denkende Betriebe.

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