Fachkräftemangel: Schweizer CEO zuversichtlich im internationalen Vergleich

in Industry insights, 01.09.2016

„Unsere Mitarbeitenden sind unser wichtigstes Kapital“ oder „Wir befinden uns im Kampf um die besten Talente“ sind gerne bemühte Floskeln in Manuskripten von CEO-Ansprachen oder in Vorworten zu Geschäftsberichten. Welche Bedeutung haben nun aber solche Aussagen, wenn breite Schichten unserer Wirtschaft zunehmend und immer schneller digitalisiert und automatisiert werden und die Lücke zwischen traditionellen Jobprofilen und künftigen Anforderungen des Arbeitsmarktes stetig grösser wird? Welche Talente sind dabei gesucht, und wie sichert man sich die Fachkräfte von morgen?

Immerhin geht die Mehrheit der befragten ausländischen Unternehmensführer des CEO Outlook von KPMG davon aus, dass innerhalb der nächsten drei Jahre mindestens 5 Prozent der Stellen in ihrem Unternehmen infolge Automation verloren gehen werden, sei dies in Marketing und Vertrieb, in Forschung und Entwicklung oder bei der Produktion und im Engineering. Schweizer CEO zeichnen hier ein helleres Bild und halten ein solches Szenario für unwahrscheinlich. Man geht hierzulande wohl davon aus, dass durch Digitalisierung und weitere Automation neue Jobs geschaffen werden, die den Wegfall traditioneller Berufsbilder kompensieren können.

Schweizer CEO zeigen sich zuversichtlicher

Gemäss dem jüngsten CEO Outlook sehen die befragten Unternehmensführer eine der grössten mittelfristigen Gefahren in einer wachsenden Kluft zwischen Angebot und Nachfrage bei der Besetzung von Schlüsselpositionen. Gleichwohl zeigen sich auch hier Schweizer CEO optimistischer als CEO im Ausland. Gerade bei Spezialisierungen wie Engineering, Strategie oder Forschung und Entwicklung sehen Geschäftsführer im Ausland bereits erste Anzeichen für mangelnde Ressourcen auf dem Arbeitsmarkt. Überraschenderweise zeigen sich Schweizer CEO bei dieser Frage deutlich überzeugter, dass ihr Unternehmen mittelfristig nicht wesentlich von einem Fachkräftemangel beeinflusst wird. Mit Blick auf meine Erfahrungen aus den Kundenkontakten sowie auf die anhaltende Diskussion um einen Fachkräftemangel erstaunt dieses klare Votum, zumal sich die Schweiz beim Thema der Zuwanderung und der Zulassung von Fachkräften aus dem Ausland mit politischen Entscheidungen jüngst vor relativ grosse hausgemachte Herausforderungen gestellt hat. Insofern scheint es unangebracht, von einem Mythos Fachkräftemangel zu sprechen. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit Digitalisierung und Automation Spuren auf dem Schweizer Arbeitsmarkt hinterlassen werden.

Massnahmen gegen Fachkräftemangel

Befragt nach den anzustrebenden Massnahmen, um einem künftigen Fachkräftemangel zu begegnen, setzen die meisten CEO stark auf interne und externe Schulungen sowie Weiterbildungen. Rund ein Fünftel der Schweizer Unternehmer ist zudem bereit, wieder vermehrt erfahrenere Spezialisten einzustellen. Ein Viertel der Befragten meint aber auch, dass Automation durchaus ein Mittel gegen Fachkräftemangel sein kann. Ausländische CEO setzen zu einem beachtlichen Teil auch auf aggressives Abwerben von Spezialisten bei Mitbewerbern (26%) oder bei neuen, disruptiven Unternehmen, die den Markt mit komplett neuen Ansätzen und Geschäftsmodellen aufmischen (22%). Für viele Schweizer CEO – und das kann für einen aktiven M&A-Markt in der Schweiz sprechen – sind auch strategische Akquisitionen (20%) oder Auslagerungen von Tätigkeiten (17%) gangbare Wege, um einen drohenden Fachkräftemangel zu kompensieren.

Vollständige Studie: CEO Outlook – Now or Never

Über den CEO Outlook

KPMG hat in einer weltweiten, branchenübergreifenden Studie über 1‘300 CEO zu deren mittelfristigen Wachstumsperspektiven und Transaktionsabsichten, zur Innovationsförderung, zum Umgang mit Digitalisierung und Risiken sowie zum Personalmanagement befragt.

In der vorliegenden Artikelreihe gehe ich auf die spezifische Einschätzung dieser Fokusthemen durch die befragten Schweizer CEO ein.

 


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