Dank Digitalisierung CHF 300 Mio. Gesundheitskosten sparen

in Healthcare, Industry insights, 10.10.2017

Eine Studie von KPMG zeigt: Dank konsequenter Digitalisierung lassen sich in der Schweiz jährlich 300 Millionen Franken sparen. Mit dem elektronischen Patientendossier ist die Basis gelegt für eine nachhaltige Bremsung des Kostenanstiegs im Gesundheitswesen.

Die Gesundheitskosten haben sich in der Schweiz in den letzten 20 Jahren auf rund 75 Milliarden Franken verdoppelt. Dies zeigen die jüngsten verfügbaren Zahlen des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahre 2014. Und ein Ende der Kostensteigerung ist nicht absehbar: Experten gehen bis ins Jahr 2030 von einer Steigerung der Gesundheitskosten von über 60 Prozent aus.

Smartphones als wirksame Kostenbremse

Grosses Potenzial, dem Trend der steigenden Gesundheitskosten entgegenzuwirken, bietet die zunehmende Digitalisierung im Schweizer Gesundheitswesen. Der Fokus liegt dabei auf chronisch kranken Patienten. Sie bilden rund einen Viertel der Schweizer Bevölkerung und verursachen dabei 80 Prozent der direkten Gesundheitskosten.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie können die neuen technologischen Möglichkeiten zu effektiveren und effizienteren Behandlungen führen? Ein Ansatz sind der konsequente Einbezug und die Nutzung von Smartphones. Im Zuge der Digitalisierung wächst die Anzahl Smartphone-Nutzer in der Schweiz jährlich um rund 10 Prozentpunkte.

Digitalisierungsmöglichkeiten bei chronischen Krankheiten

Ein Teil der Kosten, die durch chronische Krankheiten entstehen, könnte reduziert werden, indem die betroffenen Patienten umsichtiger mit ihren Erkrankungen umgehen und besser betreut würden. Die technologischen Möglichkeiten machen dies bereits heute möglich:

  • Vitaldaten wie Herzfrequenz, Blutdruck oder Blutzucker sind in Echtzeit überwachbar und überprüfbar.
  • Konsultationen werden 24/7 online vereinbart.
  • Medikationen werden überwacht und die Patienten an die Einnahme erinnert. Medikamentenbestellungen werden automatisch ausgelöst.
  • Einmalig erfasste Daten sind überall verfügbar und müssen nicht mehr versendet werden.
  • Es erfolgen Telefon- und Videokonsultationen; die physische Präsenz entfällt zum Teil.
  • Die Prävention wird gestärkt durch besser informierte Patienten und Fitness-Tracker.

Durch geringere Hospitalisierungen können zahlreiche Ressourceneinsparungen erzielt werden. Dank einheitlichen Daten werden wiederum Doppelspurigkeiten vermieden und dank Echtzeit-Überwachungen eine bessere Behandlungsqualität sichergestellt. Diese Vorteile verdeutlichen das enorme Potenzial der Digitalisierung im Schweizer Gesundheitswesen.

Jährliches Einsparpotenzial von rund CHF 300 Millionen möglich

KPMG hat in einer detaillierten, sequenziellen Betrachtung den traditionellen Patientenpfad analysiert und einem digitalisierten Patientenpfad gegenübergestellt; dieser setzt auf die konsequente Nutzung der heutigen technologischen Möglichkeiten wie Wearables, Smartphone und Elektronisches Patientendossier (EPD).

Dabei wird angenommen, dass ein Kranker typischerweise 5 Stationen durchläuft:

  1. Besuch beim Hausarzt
  2. Konsultation des Spezialisten
  3. Aufenthalt im Spital
  4. Rehabilitation
  5. Abschliessender Check beim Hausarzt

Der traditionelle Pfad ist geprägt von physischen Kontakten zwischen dem Patienten und den medizinischen Betreuungspersonen, von telefonischen Terminvereinbarungen und dem Austausch von medizinischen Verlaufsdokumenten per Fax oder Post.

Beim digitalen Pfad sind es die Gesundheits-Apps auf dem Handy, die die Vitalfunktionen laufend überwachen und den Arzt avisieren, wenn „etwas nicht stimmt“. Vor allem entfällt aber der zeitraubende Austausch zwischen den Gesundheitsfachpersonen, da alle Informationen im EPD abgespeichert und für alle Berechtigten abrufbar  sind.

KPMG geht davon aus, dass bei einer Person, welche den ganzen Patientenpfad durchläuft, rund 87 Minuten eingespart werden können. Und dies ausschliesslich beim medizinischen Betreuungsaufwand (Patientenaufnahme, Terminvereinbarungen). Das Sparpotenzial pro Fall liegt bei CHF 59. Diese Schätzung ist äusserst konservativ: Zur Kalkulation des Einsparpotenzials wird angenommen, dass die chronisch Kranken alle fünf Stationen durchlaufen, während die restlichen Patienten nur eine Station im Patientenpfad in Anspruch nehmen. Werden die Potenziale entsprechend gewichtet, resultiert ein jährliches Einsparpotenzial von CHF 296 Mio. Da im vorliegenden Beispiel nur spitalambulante Behandlungen und keine sonstigen ambulanten Arzt- oder Spezialistenbehandlungen einkalkuliert werden konnten, ist diese Schätzung mit Vorsicht zu betrachten. Das ausgewiesene Einsparpotenzial ist jedoch durchaus realisierbar – insbesondere, wenn folgende Änderungen im System erfolgreich implementiert werden können:

  1. eine einheitliche Finanzierung von ambulant und stationär,
  2. tarifarische Änderungen (mehr ambulante Pauschalen),
  3. eine stärkere Verbreitung von alternativen Versicherungsmodellen mit Capitation, und
  4. transparente Qualität.

Gelingt dies, so lässt sich mit der Digitalisierung ein noch weit grösseres als das von KPMG berechnete Einsparungspotenzial realisieren.

Vollständige Publikation: Clarity on Healthcare

 

 

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