Eine neue Sicht auf Schweizer Direktversicherer

in Financial Services, 14.09.2018

Erstmalig wurden dieses Jahr «Berichte über die Finanzlage» der Schweizer Versicherer veröffentlicht, die spannende Einblicke in das Kapitalmanagement, die Governance, sowie die Risiken und Solvabilität einer ganzen Branche gewährt.

Erstmalig wurden dieses Jahr gemäss dem FINMA-Rundschreiben 2016/2 die «Berichte über die Finanzlage» durch die Schweizer Versicherer veröffentlicht, welche das Ziel haben, dem Leser ein Bild über deren ökonomische Risikosituation zu vermitteln. Mittels dem SST (Schweizer Solvenztest) wird festgelegt, wie viel ökonomisches Eigenkapital ein Versicherungsunternehmen aufweisen muss, um sicher und nachhaltig seiner Geschäftstätigkeit nachgehen zu können.

Die hohe Komplexität sowie die Ausführlichkeit der Berichte können es dem Leser erschweren, die wesentlichen Erkenntnisse herauszufiltern und die finanzielle Lage der Versicherer gesamtheitlich einzuschätzen. Wir haben dies zum Anlass genommen, die publizierten Informationen von ca. 60 Direktversicherern systematisch zu erfassen und damit eine erste Übersicht über die Branche zu ermöglichen. Unsere ersten Erkenntnisse sind wie folgt.

Solide Kapitalbasis aber noch keine Trends

Während die ersten Einblicke das Bild einer gesunden Versicherungsbranche zeigen, sind die Ausgangslagen der einzelnen Gesellschaften sehr unterschiedlich. So scheinen zum Beispiel die Kapitalvorschriften gemäss SST Lebensversicherer mehr einzuschränken als Sachversicherer. Wie sensitiv die Solvabilität auf die Marktentwicklungen und Risiken reagieren wird, wird sich erst in den kommenden Jahren aus einer Marktsicht abzeichnen. Aktuell können wir also einen ersten „Datenpunkt“ beobachten, der sich über die kommenden Jahre zu einer Datenreihe entwickeln wird. Dadurch wird die Information über ein Unternehmen und die Branche als Ganzes aufschlussreicher, da Trends, Entwicklungen und Sensitivitäten aufgrund gewonnener Erfahrungswerte besser eingeordnet werden können.

Finanzieller Spielraum erhöht die strategische Flexibilität

Wenig überraschend ist, dass die Grossversicherer über die nominal meisten freien Mittel verfügen. Dementsprechend haben sie die finanziellen Voraussetzungen, um die anstehende Transformation der Branche zu gestalten, Zukäufe zu tätigen und in zukunftsweisende Innovationen zu investieren. Kleinere Gesellschaften müssen Wege finden, sich den Herausforderungen dieser Veränderungen langfristig zu stellen.

Fragestellungen zur Kapitalallokation

Bei vielen Versicherern übersteigt das verfügbare Kapital (risikotragendes Kapital) das geforderte Kapital (Zielkapital) deutlich, was zu einem Kapitalüberschuss führt. Daraus ergeben sich folgende Fragestellungen für die einzelnen Versicherer aber auch für die Branche insgesamt:

  • Ist das Kapital effizient alloziert?
  • Passt die Dividendenpolitik zur aktuellen Kapitalsituation?
  • Wie soll die Kapitalbeschaffung zukünftig gestaltet werden?
  • Was für Investitionen sind nötig und möglich?

Blick nach vorne

Noch ist unklar, inwiefern sich allfällige Anpassungen und Verfeinerungen der SST durch die FINMA auf die ausgewiesenen Angaben auswirken werden. Eindeutig ist jedoch, dass die branchenweite Offenlegung dieser Kennzahlen und Informationen eine neue Standortbestimmung für die Versicherer möglich macht. Versicherer, welche die neuen Informationen auszuwerten wissen, werden dies zu Ihrem Vorteil nutzen können.

 

 

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