FABI: Auswirkungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

in Tax, 20.01.2016

Mit der Einführung des Bundesgesetzes über die Finanzierung und den Ausbau der Eisenbahninfrastruktur (nachfolgend FABI) ab 1. Januar 2016 entstehen neue Fragestellungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Bezug auf die Begrenzung der Berufskosten für den Arbeitsweg. Sind Anpassungen im Lohnausweis durch den Arbeitgeber notwendig? Müssen weitere Sozialversicherungsabzüge berücksichtigt werden? Sind zusätzliche Steuern wie Quellensteuer bei ausländischen Arbeitnehmern geschuldet? Oder hat FABI Auswirkungen auf die Mehrwertsteuer einer Gesellschaft? Mit der nachfolgenden Übersicht beantworte ich einige Fragen zu diesen Themen und zeige Ihnen den heutigen Stand auf.

Grundlage

Durch die Einführung von FABI ab 1. Januar 2016 können die Kosten für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte laut DBG 26 Abs. 1 neu nur noch bis zu einem Maximalbetrag von CHF 3‘000 abgezogen werden. Diese neue Regelung gilt für die direkte Bundessteuer. Auf kantonaler Ebene kann ebenfalls ein Maximalbetrag festgelegt werden (StHG 9 Abs. 1). Jedoch sind die Kantone frei bei einer allfälligen Begrenzung des Abzuges.

Auswirkungen auf den Privatanteil für Geschäftswagen

Heute wird den Arbeitnehmern für den Privatgebrauch eines Geschäftswagens ein Privatanteil von 9.6% im Jahr belastet. Dieser Betrag ist im Lohnausweis zu deklarieren und vom Arbeitnehmer zu versteuern. Mit diesem Privatanteil für den Geschäftswagen ist gemäss Wegleitung zum Ausfüllen des Lohnausweises der private Gebrauch abgegolten. Jedoch beinhaltet dieser Prozentsatz keine Entschädigung für den Arbeitsweg. Mit der Deklaration auf dem Lohnausweis für die unentgeltliche Beförderung wird aber gekennzeichnet, dass der Arbeitnehmer keine weiteren Abzüge für seinen Arbeitsweg in der Steuererklärung geltend machen kann.

Im Zusammenhang mit der Begrenzung des Pendlerabzugs verlangt nun die Schweizerische Steuerkonferenz beim steuerbaren Einkommen eine Aufrechnung der Kosten für den Arbeitsweg über dem Maximalabzug von CHF 3‘000.

Beispiel:

Arbeitsweg: 20 km x 2 Fahrten x 220 Arbeitstage x 0.70 Rp. = CHF 6‘160

CHF 6‘160 / Maximalabzug CHF 3‘000 = CHF 3‘160

Die Aufrechnung von CHF 3‘160 wird je nach Kanton in der Steuererklärung vom Steuerpflichtigen deklariert oder vom Steuerkommissär als zusätzliches Erwerbseinkommen aufgerechnet.

Sozialversicherungsbeiträge

Laut heutiger Meinung hat die Aufrechnung der FABI Begrenzung keine Sozialversicherungsfolgen. Nur der Privatanteil von 9.6% für Geschäftswagen muss weiterhin beim sozialversicherungspflichtigen Lohn berücksichtigt werden. Das Bundesamt für Sozialversicherung stützt sich auf die Wegleitung zum Ausfüllen des Lohnausweises Rz 21 ff. Somit sollten aus heutiger Sicht voraussichtlich keine weiteren Aufrechnungen neben dem üblichen Privatanteil dazukommen. Das unentgeltliche Zur-Verfügung-Stellen des Geschäftswagens für den Arbeitsweg dürfte demnach keinen Bestandteil des AHV-pflichtigen Lohns darstellen.

Quellensteuerabzug

Eine weitere Frage stellt sich bei der Quellensteuer. Die Berechnung der Quellensteuer bezieht sich auf den steuerbaren Bruttolohn. Die pauschalen Abzüge der Berufskosten sind bereits durch den Tarif berücksichtigt. Allenfalls werden sich die Kantone entscheiden, die durchschnittlich tieferen Berufskostenabzüge über einen höheren Tarif zu korrigieren. Diesbezüglich liegen jedoch noch keine Anpassungen vor. Für den Arbeitgeber besteht kein Handlungsbedarf.

Mehrwertsteuer

Die bisherige Praxis bei der Ermittlung des mehrwertsteuerlich relevanten Privatanteils dürfte in der heutigen Form beibehalten bleiben. Somit sind nebst den 9.6% pro Jahr als Eigenverbrauch keine weiteren Aufrechnungen zu berücksichtigen. Die ESTV orientiert sich in Bezug auf die Leistungen an den Arbeitnehmer am Lohnausweis und an den Richtlinien zum Lohnausweis. Laut MWSTV 47 Abs. 3 gelten Leistungen, welche im Lohnausweis nicht aufzuführen sind, als nicht entgeltlich erbracht. „Die in diesem Zusammenhang anfallenden Aufwendungen führen zu keiner steuerlichen Korrektur, falls sie innerhalb der unternehmerischen Tätigkeit für Leistungen, die zum Vorsteuerabzug berechtigen, verwendet werden“ (MWST-Info 08, 2015).

Begrenzung des Abzugs durch die Kantone

Per heute ist die Einführung nur auf Bundesebene klar geregelt. Bei den Kantonen stellt sich die Begrenzung jedoch noch unübersichtlich dar. Einige Kantone möchten die gleiche oder eine leicht höhere Begrenzung einführen oder haben bereits eine solche Obergrenze beschlossen (z.B. Kanton Thurgau: Grenze ab 1. Januar 2016 bei CHF 6‘000). Die Begrenzungen durch die Kantone werden nach und nach beschlossen und können nachfolgend verfolgt werden:

Kantonale Begrenzung des Fahrkostenabzugs 2016

Kantonale Begrenzung des Fahrkostenabzugs 2016

(Abbildung für eine vergrösserte Ansicht anklicken)

 

Kantonale Begrenzung des Fahrkostenabzugs 2017

kantonale-begrenzung-fahrkostenabzug-2017-580px

(Abbildung für eine vergrösserte Ansicht anklicken)

Fazit

Die Regelung zum Privatanteil verursacht bei Arbeitnehmern mit Geschäftswagen eine erhöhte Steuerbelastung auf Bundesebene sowie teilweise auf Kantonsebene. Auch stellt es den Arbeitnehmer vor zusätzliche bürokratische Hürden. Aus unternehmerischer Sicht ist ebenfalls mit einem gewissen Mehraufwand zu rechnen (speziell in Bezug auf Aussendienstmitarbeiter).

 

 

Weitere Informationen:

 


1 Comment

  1. Christian Jaussi

    Guten Tag
    Könnten Sie bitte die Grafik “Kantonale Begrenzung des Fahrkostenabzugs 2017” aktualisieren. Das wäre sehr nett. Sie ist – glaub ich die einzige – brauchbare und sehr hilfreiche Übersicht im Netz.
    Vielen herzlichen Dank im Voraus.
    Freundliche Grüsse

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