Grosse Ungewissheit in den Schweizer Wirtschaftsregionen

in Advisory, Audit, Financial Services, Real Estate, Tax, 12.05.2016

Wer selber ein Unternehmen führt, weiss wie viel Willensstärke dies täglich erfordert. In unserer aktuellen Publikation «Clarity on Entrepreneurs»  haben wir verschiedene Beiträge zusammengestellt mit spannenden Erkenntnissen zu aktuellen Themen wie Digitalisierung und neue Technologien, fortschreitende Automatisierung, Entwicklungen im Bau- und Immobiliengeschäft, Internationalität und globale Mobilität sowie Umgang mit Familientraditionen während der Firmenübergabe.

Ein wichtiges Kapitel der neuen Publikation ist auch die «Schweizer Standortagenda». In einer qualitativen Umfrage bei zehn kantonalen Handels- und Industriekammern haben wir die Spitzenvertreter nach den grössten Herausforderungen für ihre jeweiligen Wirtschaftsregionen sowie zur Einschätzung politischer und regulatorischer Rahmenbedingungen befragt. Die Umfrageergebnisse lesen sich äusserst spannend und unterscheiden sich regional teils stark.

Drei Hauptgründe für eine grundsätzliche Verunsicherung

Die Schweizer Wirtschaft ist verunsichert. Die Hauptgründe dafür sind die anhaltende Frankenstärke, ein bereits bestehender oder drohender Fachkräftemangel, und die hängige Unternehmenssteuerreform III (USR III). Darüber hinaus tragen die stetig zunehmende Regulierungsdichte und das ungeklärte bilaterale Verhältnis der Schweiz zur EU zur allgemeinen Verunsicherung bei. Dieses Bild ergibt sich aus einer qualitativen Umfrage, die wir bei zehn Handels- und Industriekammern in Interviewform durchgeführt haben.

Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung sowie Produktion und Supportdienstleistungen werden teils seit längerem ins Ausland verlagert. Umso wichtiger ist es, dass die politischen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass am Wirtschaftsstandort Schweiz alle wichtigen Elemente der Wertschöpfungskette erhalten bleiben. In diesem Zusammenhang wird einer wesentlich flexibleren Ausgestaltung der Arbeitszeiterfassung hohe Bedeutung beigemessen, und die neu eingeführte Regelung des Bundes wird in allen Regionen kritisiert.

Sorge um interkantonalen Steuerwettbewerb wegen USR III

Der Stellenwert tiefer ordentlicher Steuersätze ist regional unterschiedlich. Grundsätzlich wird eine moderate steuerliche Belastung für juristische und natürliche Personen von allen Handels- und Industriekammern als wichtig erachtet, aber immer in Kombination mit weiteren, für die Standortattraktivität ebenfalls relevanten Faktoren.

Ein Teil der Befragten hegt die Hoffnung, dass eine Senkung der ordentlichen Steuersätzen im Rahmen der USR III einen Wegfall der bisherigen fiskalischen Vergünstigungen kompensieren und die Unternehmen zum Verbleib in der Schweiz motivieren kann. Die USR III darf dabei den interkantonalen Steuerwettbewerb aber nicht weiter verschärfen, da eine markante Senkung der ordentlichen Steuersätze in Kantonen mit vergleichsweise wenig Steuersubstrat von Statusgesellschaften hohe Mitnahmeeffekte zur Folge hätte. Ferner dürfen keine weiteren Begehrlichkeiten von Nehmerkantonen im Zusammenhang mit dem Neuen Finanzausgleich formuliert werden, wenn diese zu substanziellen Steuersatzsenkungen gezwungen werden.

Weitere wichtige Erkenntnisse der Befragung sind mit Blick auf die Standortattraktivität die hohe Bedeutung laufend optimierter intakter Verkehrsinfrastrukturen und hinsichtlich künftiger Herausforderungen eine umfassende Digitalisierung praktisch aller Wirtschafts- und Lebensbereiche.

 

 

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