Impulse für eine digitale Verwaltung aus der Privatwirtschaft

in Healthcare, Industry insights, 20.11.2017

Wie gut ist der öffentliche Sektor in der Schweiz auf die digitale Entwicklung vorbereitet? Was kann die Verwaltung von der Wirtschaft lernen? Die digitale Transformation führt zu fundamentalen Anforderungen an den Staat. Zusammen mit der ZHAW hat KPMG eine Studie zur Zukunft der Verwaltung im Rahmen der Digitalisierung realisiert.

Das Thema „Digitale Verwaltung“ wird vorangetrieben und der Bund geht mit gutem Beispiel voran: Kürzlich wurde die Online-Plattform easygov.swiss lanciert, die Firmengründern aber auch etablierten Unternehmen eine zentrale Zugangsstelle zur Verwaltung bietet. Der Administrationsaufwand vieler KMUs in der Schweiz wird dadurch verkleinert.

Im Vergleich zu den skandinavischen Ländern hinkt die Schweiz jedoch weit hinterher. Ein UN-Report zum Entwicklungsstand des E-Governments zeigt, dass die Schweiz lediglich Rang 28 von 193 belegt.

Die Hindernisse auf dem Weg zur digitalen Transformation der Verwaltung

Die Studie der ZHAW und KPMG zeigt, dass für die schlechte Rangplatzierung der Schweiz zahlreiche Hindernisse verantwortlich sind.

  • Föderalismus: Bund, Kantone, Gemeinden betreiben voneinander unabhängige Systemplattformen.
  • Organisationsstrukturen der Verwaltung: Sie sind in der Schweiz ausgesprochen dezentral, in Abteilungs- und Departemenssilos gegliedert und streng hierarchisch.
  • Finanzierung: Die analogen Systeme funktionieren häufig noch einwandfrei und die Investitionskosten sind noch nicht amortisiert. Ein parallel aufgebautes digitales System kostet zusätzlich und stiftet nicht per sofort den entsprechenden finanziellen Nutzen.
  • Rahmenbedingungen: Elektronische Identitätsnachweise (eID, eSignatur) sind in der Schweiz derzeit noch nicht einsetzbar.
  • Kulturelle Aspekte: Die Verwaltung ist auf akurate Prozesse angewiesen. Risikoaversion und aufzubauende digitale Kompetenzen wirken ebenfalls hindernd.
  • Datensicherheit und Datenhoheit: Die Datenschutzgesetzgebung hinkt tendenziell den technologischen Möglichkeiten hinterher.

Die Treiber auf dem Weg zur digitalen Transformation der Verwaltung

Auf der der anderen Seite gibt es aber auch klare Treiber, welche die Transformation begünstigen.

  • Erwartungshaltung der Bevölkerung und der Wirtschaft: Der digitale Konsument ist auch ein digitaler Bürger. Er will, ähnlich wie in seinem Konsumverhalten im Privaten, vom Staat die Dienstleistungen rund um die Uhr.
  • Zunehmender Kosten- und Effizienzdruck: Immer mehr Aufgaben müssen bei gleichbeibendem Stellenetat bewältigt werden.
  • Lead der Politik: Die Initiative zu easygov.swiss zeigt, dass der Bundesrat seine Führungsfunktion wahrnehmen möchte.
  • Mitarbeitende aus der Privatwirtschaft: Sie stellen die Organisationsstrukturen, Prozesse und Hierarchien in der Verwaltung in Frage.

Was die Verwaltung von der Wirtschaft lernen kann

Mobile Dienste: Die Anlayse verschiedener Digitalisierungsprozesse in der Privatwirtschaft illustriert, wie durch den Einsatz von mobilen Technologien Mehrwert für den Kunden geschaffen wird. Eine spannende Erkenntnis stellt der folgende Sachverhalt dar: Lanciert ein Unternehmen eine mobile App mit unvollständigem Funktionsumfang, muss dies nicht zwingend negativ von den Nutzern eingeschätzt, sofern die App einen Mehrwert für sie liefert und erkannte Fehler schnell beseitigt werden können. Der Erfolg einer mobile App beruht stets auf dem spürbaren Mehrwert für den Nutzer.

Prozessoptimierung durch Digital Labor bei Banken: Digital Labor und Robotic Process Automation (RPA) sind zwei Begriffe, die gegenwärtig die Diskussion in der Privatwirtschaft stark prägen. Zum einen deshalb, weil diese Technologien ein enorm hohes Potenzial zur Disruption haben und zum anderen, weil es bereits heute schon viele Unternehmen gibt, die diese Technologien einsetzen, um Prozesse zu automatisieren. Im Bankenumfeld werden durch automatisierte Prozesse neue Angebote zur Realität. So ist es heute zum Beispiel möglicheine Hypothek inklusive Risikoprüfung abzuschliessen. Diese Automatisierung macht sich derzeit auch bereits das Steueramt des Kantons St. Gallen zu Nutze.

Optimierte Nutzung für den Bürger: Der Leitgedanke einer digitalen Verwaltung zielt auf die Optimierung des Nutzens gegenüber den Bürgern ab. Um dieses Ziel zu erfüllen, sind verschiedene Faktoren zu beachten:

  • Der Nutzer zuerst: Die Bedürfnisse der Bürger und Unternehmen stehen im Zentrum der Leistungserbringung
  • Digital vor Papier: Leistungen werden für die digitale Nutzung konzipiert
  • Partnerschaften: Leistungen werden offen für alle Teilnehmer angeboten
  • Effiziente Prozesse: Prozesse sind auf eine automatisierte, digitale Verarbeitung optimiert
  • Flexible IT-Architektur: IT-Lösungen sind flexibel und einfach anpassbar.

Der Wunsch des digitalen Konsumenten auch ein digitaler Bürger zu sein wird rasch wachsen und die Ansprüche in Sachen Digitalisierung werden schnell zunehmen.

Erfolgreiche Vorreiter in der digitalen Transformation im Ausland zeigen die Wichtigkeit, den Nutzen digitaler Angebote der Bevölkerung ersichtlich zu machen. Die Förderung der Medienkompetenz in allen Altersschichten unterstützt die Akzeptanz und die Nutzung digitaler Angebote. Darüber hinaus ist es Aufgabe der Politik, weitere Anreize für eine beschleunigte Umsetzung einer digitalen Verwaltung zu schaffen.

 

Vollständige Publikation: Digitale Verwaltung

 

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