Integrierte Versorgung am Beispiel von Groningen

in Healthcare, 26.02.2016

Die Gesundheitssysteme der industrialisierten Länder stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Die alternde Bevölkerung, die starke Zunahme von chronischen Erkrankungen sowie der technologische Fortschritt, haben einen starken Einfluss auf die bestehenden Strukturen der Leistungserbringung. In der Schweiz bestehen mit der föderalistischen Ausprägung der Gesundheitsversorgung und der fragmentierten Finanzierung gleich zwei zusätzliche Herausforderungen.

Ich werde in diesem Artikel anhand eines Beispiels von Groningen in den Niederlanden aufzeigen, wie durch eine konstruktive Zusammenarbeit eine nutzbringende, integrierte Versorgung umgesetzt werden konnte.

Herausforderung in der Region Groningen

Die beiden grössten Spitäler in der Region, das Universitätsspital (UMCG) und das Regionalspital (OZG) mit zwei Standorten waren beide mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert.

Das UMCG bot ein umfassendes Leistungsangebot von hochspezialisierter Medizin über Grundversorgungsangebote bis hin zur Versorgung von Langzeitpatienten. Die Herausforderungen lagen in der begrenzten Kapazität und der daraus folgenden langen Wartezeiten.

Das OZG verzeichnete an beiden Standorten einen Umsatzrückgang von insgesamt rund 10%, was zu finanziellen Engpässen führte. Der Umsatzrückgang wurde einerseits durch Qualitätsprobleme verursacht, andererseits durch Schwierigkeiten, medizinische Leitungsposition zu besetzen, was auch auf veraltete Infrastrukturen zurückzuführen war. Ein Neubau war dringend notwendig, unter den gegebenen Umständen jedoch nicht finanzierbar.

Ergebnisverbesserung: Re-Konfiguration von Patientenströmen

Trotz der schwierigen Ausgangslage gelang es den involvierten Stakeholdern (UMCG, OZG und der in der Region zuständigen Krankenversicherung), ein neues Kapitel aufzuschlagen. Und zwar setzten sie in Ihrer Region den Ansatz der integrierten Versorgung um und ermöglichten dadurch für das OZG als Ersatz für die beiden alten Standorte, einen Neubau an einem anderen Standort. Dies konnte insbesondere durch die Re-Konfiguration von Patientenströme in die dafür geeigneten Gefässe realisiert werden.

Die integrierte Versorgungslösung ist durch drei Kernelemente geprägt:

Kernelement 1: Wiedererlangen von Marktanteilen: Einfachere Fälle konnten dem OZG zugewiesen werden, dies auch bei einer Erstkontaktaufnahme der Versicherten mit dem UMCG. Einerseits führte dies zu einer Stärkung des OZG durch Fälle, die durch ihre Strategie abgedeckt sind. Andererseits wurde das UMCG entlastet und konnte sich auf diejenigen Fälle fokussieren, die in ihrer Strategie liegen. 60% der einfacheren Fälle wurden vom UMCG dem OZG zugewiesen.

Kernelement 2: Bündelung von hoch-komplexen Fällen: Hoch-komplexe Eingriffe in der Region konnten ausschliesslich am UMCG durchgeführt werden. 100% der hoch-komplexen Fälle wurden vom OZG dem UMCG zugewiesen.

Kernelement 3: Alternative Leistungserbringung: DRGs im Bereich der chronischen Erkrankungen und Onkologie wurden zu anderen Leistungserbringern, die in der Grundversorgung tätig sind, verschoben, was zu einer Entlastung der teuren Spitalinfrastruktur führte. Bei den untersuchten DRGs konnte eine Verlagerung der Leistungserbringung bei 9.5 % der Fälle erzielt werden.

Grundsätzlich bietet die Abstimmung der Leistungserbringung, nicht nur zwischen Universitäts- und Regionalspitälern, sondern auch mit weiteren Anbietern ein sehr grosses Potenzial, um eine effiziente und kostengünstige Leistungserbringung sicherzustellen. Eine konsequente Umsetzung von Integrierter Versorgung hilft nicht nur das Kostenwachstum einzudämmen sondern kann auch zu einem Kostenrückgang führen. Als Voraussetzung muss der Wille zu einem konstruktiven Dialog vorhanden sein, die die eigenen Interessen hinter die übergeordneten Interessen der Region zurückstellt. Ist dies der Fall, können die verschiedenen Unternehmensstrategien in eine Gesamtstrategie für die Region übertragen werden.

Integrierte Versorgunglösungen werden nicht nur im Ausland umgesetzt sondern auch in der Schweiz. Als Beispiel können die Erfahrungen aus der Spitalregion Rheintal, Werdenberg, Sarganserland zusammen mit PizolCare genannt werden sowie die Neuausrichtung durch den geplanten Zusammenschluss des Universitätsspitals Basel mit dem Kantonsspital Baselland.

 

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