Kapitalkostenstudie 2018: Innovative oder disruptive Geschäftsmodelle

in Advisory, 27.11.2018

Die diesjährige Kapitalkostenstudie steht unter dem Zeichen von innovativen und disruptiven Geschäftsmodellen. Diese Entwicklungen beeinflussen die Performance (Planung) und Risiken (Kapitalkosten) etablierter sowie neuartiger Geschäftsmodelle. Unternehmen sehen darin sowohl große Chancen als auch Risiken.

Die Kontinuität der hohen Renditeerwartungen von Investoren aus den letzten Jahren setzt sich weiterhin fort. Während sich das durchschnittliche Kapitalkostenniveau gegenüber dem Vorjahr kaum verändert hat, sind zum  Teil deutliche Abweichungen in den jeweiligen Industrien zu erkennen. Dies hat eine Umfrage von 276 teilnehmenden Unternehmen im Rahmen unserer Kapitalkostenstudie 2018 ergeben.

Innovative Geschäftsmodelle – Chance und Risiko zugleich

Disruptive Geschäftsmodelle führen zu einer erhöhten Unsicherheit über die zukünftige Unternehmensentwicklung und somit zu einem hohen Anteil an Risiken. Ein Teil dieser Geschäftsmodelle beinhaltet innovative Produkte, welche entweder von aufstrebenden Start-ups oder bereits etablierten Unternehmen entwickelt werden. Folglich wird die Bewertung jener Unternehmen insbesondere durch spezifische Risiken getrieben, welche sich überwiegend aus risikoreichen innovativen Produkten ergeben, und letztlich zu vergleichsweise hohen Kapitalkosten führen können.

Inwiefern unterscheiden sich etablierte und innovative Geschäftsmodelle in Bezug auf die entsprechenden Risiken?

Ein stabiles Unternehmen kennzeichnet sich durch ein etabliertes Geschäftsmodell. Dies ermöglicht eine genaue Eingrenzung von operativen Treibern in der Zukunft, basierend auf historischen Erfahrungswerten.

Ein risikobehaftetes sehr innovatives Unternehmen zeichnet sich hingegen durch seine schwer einzugrenzenden Zukunftsszenarien aus, welche meist nur mit Hilfe von Wahrscheinlichkeiten bestmöglich repräsentiert und quantifiziert werden können.

Risikobehafteten Unternehmen fehlen häufig historische Erfahrungswerte, um zukünftige Risiken besser einzuschätzen. Die Grundlage zur Erstellung eines angemessenen Geschäftsplans sowie zur Ableitung passender Kapitalkosten liefern hier externe Expertise sowie ausführliche Analysen.

Disruptive Geschäftsmodelle – „des einen Freud ist des anderen Leid“

Aufgrund disruptiver Innovationen werden bestehende Geschäftsmodelle zunehmend vom Markt verdrängt oder zu einer Neuausrichtung gezwungen.

Häufig drängen sich disruptive Geschäftsmodelle, zwischen etablierte Unternehmen und deren Kunden, so etwa E-Commerce Plattformen im Internet. Infolgedessen verändern sich nicht nur die Werttreiber sondern auch die Risiken der betroffenen Unternehmen, die letztlich zu einer Anpassung im Unternehmenswert führen können.

Das Wertpotential bei Geschäftsmodellen, die von Innovation oder Disruption betroffen sind, wird von verschiedenen Einflüssen geprägt. So hängt es jeweils von der Neuverteilung von Performance und Risiko zwischen den Marktteilnehmern ab und wird insbesondere von der allenfalls neu gebildeten Marktform beeinflusst.

Für eine belastbare Einschätzung von Werteffekten ist es unabdingbar, die damit verbunden Performance- und Risikobeiträge bereits im Vorfeld zu analysieren und diese konsistent und transparent in messbare Grössen umzuwandeln.

Hohe Kapitalkosten im Technologiesektor und Autoindustrie

Die gewichteten Kapitalkosten (WACC) bei allen Industrien bleiben unverändert bei durchschnittlich 7.0%.  Zwischen den einzelnen Branchen sind jedoch signifikante Unterschiede zu beobachten.

Bereiche, die derzeit einem besonders starken Wandel unterliegen, weisen die höchsten Kapitalkosten auf. So beispielsweise der Technologiesektor und die Autoindustrie mit 8.3 % bzw. 8.0 %. Im Immobilienbereich und in der Energiebranche dagegen liegen sie mit 4.9 % bzw. 5.5 % auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.

 

Abwärtstrend des risikofreien Zinssatzes gestoppt

Mit Blick auf die jeweiligen Kapitalkostenparameter ist insbesondere beim Schweizer risikofreien Zinssatz mit 1.4 % (2017: 0.8 %) ein deutlicher Unterschied zum Allzeittief in 2017 zu erkennen. Der kontinuierliche Abwärtstrend seit 2014 konnte somit umgekehrt werden. Auch im Vergleich zu Deutschland und Österreich, die jeweils einen Wert von 1.3 % aufweisen, legt die Schweiz verhältnismässig stark zu.

Verzinsung des Fremdkapitals auf Niveau des Allzeittiefs

Bei Betrachtung aller Industrien sind die durchschnittlichen Fremdkapitalkosten in der Schweiz auf 3.0 % (2017: 3.7 %) gesunken und sind damit wieder auf dem Niveau des bisherigen Allzeittiefs im Jahre 2015. Der Markt scheint optimistisch gestimmt zu sein und stuft die Gefahr möglicher Kreditausfälle gering ein, so dass die Verzinsung des Fremdkapitals deutlich gesunken ist.

Mit 5.9 % liegt das Niveau der durchschnittlich verwendeten Marktrisikoprämie in der Schweiz doch deutlich tiefer als im Vergleich zu Deutschland und Österreich, die einen Wert von 6.5 bzw. 6.7 % aufweisen. Dieser Trend lässt sich bereits bis in das Jahr 2011 zurückverfolgen. Unter sonst gleichen Umständen könnte man den Schluss zulassen, dass die Investoren für die Schweiz eine geringere Risikoerwartung haben und dementsprechend die geforderte Gesamtrendite in der Schweiz im internationalen Vergleich niedriger ausfällt.

 

 

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