Liechtenstein & Schweiz: Grenzgänger oder Nichtgrenzgänger?

27.02.2017

Das per 1. Januar 2017 in Kraft getretene DBA zwischen Liechtenstein und der Schweiz führt wegen des dazugehörigen Protokolls zu einer Anpassung bei der Besteuerung von Grenzgängern. In einem Verständigungsverfahren haben sich beide Länder auf die beruflichen Gründe für Nichtrückkehrtage geeinigt.

Neue Pflichten für Arbeitgeber in Liechtenstein

Arbeitgeber in Liechtenstein müssen sämtliche Angestellten mit Wohnsitz in der Schweiz auf ihre Eigenschaften als Grenzgänger überprüfen. Hierfür ist die Ansässigkeit der insgesamt 10‘000 Mitarbeiter aus der Schweiz zu ermitteln.

  • Das gilt für sämtliche Arbeitsverhältnisse mit Schweizer Arbeitnehmern und für Umzüge solcher Arbeitnehmer innerhalb der Schweiz ab dem 1. Januar 2017.
  • Für bestehende Arbeitsverhältnisse hat der Arbeitgeber Zeit, die Ansässigkeit bis 30. Juni 2017 zu ermitteln.

Ansässigkeitsbescheinigung

Als Nachweis der Ansässigkeit in der Schweiz haben alle Angestellten eine Ansässigkeitsbescheinigung der zuständigen Schweizer Steuerbehörde beizubringen. Der Kanton St. Gallen hat hierzu bereits reagiert. Auf der Internetseite des kantonalen Steueramts werden die rund 8’500 Grenzgänger an die Gemeindesteuerämter verwiesen. Der Angestellte aus der Schweiz kann sich stattdessen aber wegen beruflicher Gründe gemäss der Verständigung als Nichtgrenzgänger erklären.

Meldung der Grenzgänger aus der Schweiz

Sämtliche Grenzgänger sind der Steuerverwaltung Liechtenstein namentlich inkl. Adressdaten zu melden. Diese schriftliche Meldung ist bis Mitte Februar des Folgejahres (erstmalig 2018) zu erledigen.

Pflichten des Arbeitgebers mit Nichtgrenzgängern

Für Nichtgrenzgänger hat der Arbeitgeber in Liechtenstein die Quellensteuer (Lohnsteuer) zu entrichten. Der Quellensteuer unterliegen jedoch nur die in Liechtenstein geleisteten Arbeitstage. Um die korrekte Abrechnung der Quellensteuer nachweisen zu können, sind sämtliche Bescheinigungen über die Nichtrückkehrtage und alle Aufstellungen über Nichtrückkehrtage sowie Lohnausweise aller Nichtgrenzgänger bis Mitte Februar des Folgejahres (erstmalig 2018) der Steuerverwaltung einreichen.

Die Bescheinigungen über die Nichtrückkehrtage hat der Arbeitgeber zuvor in Absprache mit dem Mitarbeiter für die nachfolgenden Fälle auszustellen:

  • Nichtgrenzgänger wegen mehr als 45 Nichtrückkehrtagen aus beruflichen Gründen (mittels Aufstellung über die Nichtrückkehrtage zu belegen)
  • Erklärung des Mitarbeiters als Nichtgrenzgänger zu qualifizieren (mittels Mietvertrag zu belegen)
  • Kombination verschiedener beruflicher Gründe (mittels Aufstellung über die Nichtrückkehrtage zu belegen) oder nachträgliche Erklärung des Angestellten als Nichtgrenzgänger zu qualifizieren (mittels Hotelabrechnungen zu belegen)

Als berufliche Gründe für Nichtrückkehrtage gelten Übernachtung auf Geschäftsreisen, während Weiterbildungen auf Kosten des Arbeitgebers sowie Übernachtung in der Nähe des Arbeitsortes in- oder ausserhalb des Arbeitsstaats, wenn die Rückkehr an den Wohnsitz eine Fahrzeit von 45 Minuten überschreitet oder Pikettdienst (nicht abschliessende Aufzählung).

Schweizer Arbeitnehmer müssen sich gegenüber ihrem Arbeitgeber erklären

Schweizer Mitarbeiter müssen ihrem Arbeitgeber in Liechtenstein bekanntgeben, ob sie als Grenzgänger täglich an ihren Wohnort zurückkehren oder als Nichtgrenzgänger an mehr als 45 Arbeitstagen aus beruflichen Gründen nicht an ihren Wohnsitz zurückkehren.

 

 Unterlagen Belege an den Arbeitgeber einzureichen
 Grenzgänger Ansässigkeitsbescheinigung zuständige Steuerbehörde des Wohnsitzes
 Nichtgrenzgänger Ansässigkeitsbescheinigung & Aufstellung über Nichtrückkehrtage  – An- und Rückreisedatum
 – Aufenthaltsort
 – Anzahl der Nichtrückkehrtage
 – Zweck & berufliche Gründe des Aufenthalts
 – dazugehörige Belege
Ansässigkeitsbescheinigung & Erklärung als Nichtgrenzgänger Hotelabrechnungen oder Mietvertrag der Zweitwohnung in der Nähe des Arbeitsorts in- oder ausserhalb Liechtensteins (bei Fahrzeit von über 45 Min. zwischen Arbeits- und Wohnort)

Steuererklärung von Grenzgängern

Grenzgänger mit privat-rechtlichen Arbeitsverträgen müssen in der Schweizer Steuererklärung die gesamten Einkünfte aus Liechtenstein deklarieren. Hinsichtlich der Berufskostenabzüge und den anderen Abzügen ergeben sich keine Änderungen. Schweizer Grenzgänger mit öffentlich-rechtlichen Arbeitsverträgen sind weiterhin in Liechtenstein beschränkt steuerpflichtig. Bei einem Bruttoerwerb von mehr als CHF 150‘000 ist neben dem Quellensteuerabzug (Lohnsteuer) eine Steuererklärung im Fürstentum einzureichen.

Steuererklärungen von Nichtgrenzgängern

Nichtgrenzgänger können in der Schweizer Steuererklärung die in Liechtenstein geleisteten und besteuerten Arbeitstage durch eine internationale Steuerausscheidung freistellen lassen. Dafür ist neben der durch die Steuerverwaltung Liechtenstein abgestempelten Bescheinigung über die Nichtrückkehrtage eine Aufstellung über die mehr als 45 Nichtrückkehrtage aus beruflichen Gründen beizulegen. Die Beweispflicht für die beruflichen Gründe liegt beim Steuerpflichtigen. Aus diesem Grund ist es ratsam sowohl für die Nichtrückkehrtage als auch die in Liechtenstein geleisteten Arbeitstage entsprechende Belege als Nachweise zu sammeln. Sofern der Bruttoerwerb mehr als CHF 150‘000 beträgt, ist zudem im Fürstentum eine Steuererklärung von Gesetzes wegen einzureichen.

Weiter Informationen finden Sie unter folgendem Link.


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