Tiefere Vorsorgeverbindlichkeiten mittels Risk-Sharing

in Audit, 09.02.2018

Die herkömmliche Berechnung der IAS 19-Vorsorgeverbindlichkeiten berücksichtigt nicht, dass eine Unternehmung nicht verpflichtet ist, das ganze potenzielle Defizit aus einer Schweizer Pensionskasse zu tragen. Die Anwendung von Risk-Sharing kann zu tieferen Verbindlichkeiten führen.

Die Belastung einer IFRS-Bilanz durch Vorsorgeverbindlichkeiten kann erheblich sein, was allerdings nicht so einfach hingenommen werden muss.

Traditionell wird in der Schweiz dem Arbeitgeber bzw. der Konzernrechnung einseitig das ganze finanzielle Risiko aus der Personalvorsorge zugewiesen. Nun gibt es aber in bestimmten Fällen eine klare Evidenz, dass sich die Arbeitnehmer am Risiko aus der Pensionskasse ebenfalls beteiligen. Dies ist der Fall, wenn stabilisierende Massnahmen wie Sanierungsbeiträge, Minderverzinsungen, Umwandlungssatzsenkungen usw. immer wieder zu ihren Lasten gehen, ohne dass sie dafür vom Arbeitgeber entschädigt werden. Dies ist absolut in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben, wonach Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam zur Gesundheit der Pensionskasse beitragen müssen. IAS 19 bietet unter gewissen Voraussetzungen die Möglichkeit, diesen für den Arbeitgeber risikoreduzierenden Sachverhalt zu berücksichtigen.

Umsetzung von Risk-Sharing

Dies wird erreicht mit der Anwendung des so genannten Risk-Sharings, das auf verschiedene Art und Weise umgesetzt werden kann. In der Praxis hat sich der folgende 3-Stufen-Ansatz herauskristallisiert:

  • 1. Stufe: Zuerst wird eine traditionelle IAS 19-Berechnung durchgeführt, bei der das ganze finanzielle Risiko einseitig dem Arbeitgeber zugewiesen wird. Die Berechnung basiert dabei auf dem aktuell gültigen und beschlossenen Vorsorgeplan der Pensionskasse.
  • 2. Stufe: Im Zentrum steht die Frage, wie die Vorsorgeeinrichtung ihre Leistungsparameter wird anpassen müssen, damit sie die gewollte finanzielle Stabilität erreichen kann. Dies wird im Sinne einer Annahme mit möglichst realistisch angesetzten Projektionsszenarien simuliert, wobei auch allenfalls bereits vorhandene Überlegungen der Vorsorgeeinrichtung berücksichtigt werden. Das Ergebnis fliesst in die Berechnung ein und führt im heutigen Umfeld in der Regel zu einer Reduktion der Vorsorgeverbindlichkeiten.
  • 3. Stufe: Die 3. Stufe beinhaltet die höchste Komplexität. Hier wird die verbleibende Finanzierungslücke ermittelt und auf den Arbeitgeber und die Arbeitnehmer verteilt, wobei sich die Vorsorgeverbindlichkeit aus Sicht des Arbeitgebers weiter reduzieren kann. Die Verteilung orientiert sich dabei an der Historie der Vorsorgeeinrichtung oder aber auch an klar formulierten und kommunizierten Willensäusserungen des Arbeitgebers.

Anforderungen an den Risk-Sharing-Ansatz

Die Anwendung von Risk-Sharing verlangt nach vielen Annahmen und ist mit Schätzunsicherheiten verbunden. Dementsprechend ist es wichtig, genügend belastbare Nachweise zu sammeln und aufzubereiten, die das Vorgehen stützen. Dies ist einigen Unternehmungen bereits gelungen und diese konnten im Ergebnis ihre bilanzierten Vorsorgeverbindlichkeiten wesentlich reduzieren.

 

 

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